Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Sarah Brodacz. Vielen Dank liebe Sarah, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Sarah Brodacz, Dolmetscherin und Übersetzerin. In 2010 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Mein Name ist Sarah Brodacz, ich bin 34 Jahre alt und lebe und arbeite in Bramsche im südlichen Niedersachsen.

Ich habe mich im Frühjahr 2010 mit dem Gründungszuschuss als Dolmetscherin und Übersetzerin selbständig gemacht.

Mein Studium zur Diplom-Dolmetscherin für Englisch und Französisch habe ich im Juni 2007 an der Uni Leipzig abgeschlossen. Bereits neben dem Studium konnte ich in einem Übersetzungsbüro erste Erfahrungen als Korrekturleserin, Dolmetscherin und Übersetzerin sammeln, und ich hatte das Glück, mit dem Abschluss in der Tasche dort direkt eine Festanstellung zu bekommen. Ich blieb 2,5 Jahre.

Seit dem Studium hatte ich immer wieder darüber nachgedacht, mich selbständig zu machen. Als es dann im Übersetzungsbüro eine Auftragsflaute gab, war ich entsprechend über die betriebsbedingte Kündigung im Januar 2010 auch nicht allzu traurig.

Es war ganz klar, dass ich weiterhin übersetzen und dolmetschen wollte. Durch die Arbeit im Übersetzungsbüro konnte ich Erfahrungen mit der „richtigen“ Arbeit sammeln und zum anderen auch ansonsten sehen, wie der Hase in der Praxis läuft. Bedenken und Ängste hatte ich hinsichtlich der Selbständigkeit kaum, ich war mir relativ sicher, dass es schon irgendwie gehen würde. Bereits vor einiger Zeit hatte ich mir Unterstützung durch eine Unternehmensberaterin geholt. Zunächst haben wir vor allem Gespräche geführt, in denen es neben den wirtschaftlichen Grundlagen auch um meine ganz persönlichen Voraussetzungen ging. Nicht jeder ist ja für eine Selbständigkeit gemacht. Zudem absolvierte ich ein Existenzgründerseminar, was damals Pflicht war, um den Gründungszuschuss zu beantragen, so dass ich mich sehr gut vorbereitet fühlte – sowohl auf die Vorteile der Selbständigkeit als auch auf die Schwierigkeiten, die es in den ersten Jahren sicherlich geben könnte. Die Unternehmensberaterin hat mir auch bei der Erstellung des Business Plans sehr geholfen, vor allem in Bezug auf die Zahlen. Ich fand es schwer, genau zu beziffern, wie es wohl laufen könnte. Hinsichtlich potenzieller Kunden konnte ich aber bereits sagen, dass mir zum einen das Übersetzungsbüro zugesagt hatte, wenn es wieder besser läuft, auch auf freiberuflicher Basis mit mir arbeiten zu wollen, und ich zum anderen gute Kontakte hatte, über die ich möglicherweise Aufträge würde bekommen können.

Ich wollte für die Übergangszeit wieder bei meinen Eltern einziehen, so dass ich mich dort bei der Agentur für Arbeit in Osnabrück vorstellen musste. Zum Glück fand ich mich einem Berater gegenüber, der mich ebenfalls in meinem Vorhaben unterstützte. Von Anfang an hieß es, dass ich so sicher auftrete, dass das mit der Selbständigkeit wohl auf festen Füßen stehe und man mich entsprechend mit Bewerbungsangeboten in Ruhe lassen würde. Hier habe ich dann auch den Antrag auf den Gründungszuschuss bekommen; das war Anfang Februar.

Zum 15. März 2010 habe ich, nachdem ich noch mit einem Steuerberater Rücksprache gehalten habe, meine Selbständigkeit angemeldet – ich war sehr gespannt, wie es losgehen würde. Die Zusage für den Gründungszuschuss kam Ende April.

Dank meines vorherigen Arbeitgebers und vor allem über Freunde und Bekannte, die in Firmen arbeiten, in denen es für meine Sprachen (Englisch und Französisch) Übersetzungsbedarf gibt und bei denen ich mich gemeldet hatte, hatte ich von Anfang an sehr wenig Leerlauf und gut zu tun. Nach einem knappen halben Jahr zog ich in eine eigene Wohnung. Ein Raum ist ausschließlich Büro, denn da ich von zu Hause aus arbeite, wollte ich von Beginn an einen separaten Bereich zum Arbeiten haben. Im ersten Jahr habe ich mich noch nicht so sehr an feste Arbeitszeiten gehalten, sondern immer wieder auch tagsüber Freunde getroffen oder Termine gemacht. Dann habe ich aber gemerkt, dass es mir nicht so gut bekommt, wenn Arbeit und Freizeit nicht klar getrennt sind. Daher habe ich mittlerweile eine Kernarbeitszeit, an die ich mich zumeist halte. Zum Teil war es gar nicht so leicht, das auch allen anderen verständlich zu machen.

Während viele Sorge haben, dass sie bei der Arbeit von zu Hause gar nicht richtig den Hintern hoch kriegen und sich zu leicht von anderen Dingen ablenken lassen würden, besteht bei mir immer das Risiko, zu viel zu arbeiten. Das hat aber sicher auch damit zu tun, dass ich meine Arbeit einfach sehr gerne mache. Seit Beginn meiner Selbständigkeit kann ich nun nach sechs Jahren sagen, dass ich insgesamt vielleicht maximal zwei Wochen lang keine Aufträge hatte. Das ist ein ziemlicher Glücksfall, ich weiß, dass es nicht bei allen so gut anläuft. Akquise habe ich scheinbar immer in den richtigen Momenten gemacht, immer wenn irgendwo gerade Not am Mann war. Die Anmeldung beim Berufsverband, in Online-Netzwerken oder auch mein Eintrag in den Gelben Seiten haben fast unmittelbar zu neuen Kontakten und Aufträgen geführt.

Seit einem knappen Jahr habe ich neben der Selbständigkeit eine halbe feste Stelle, die mir aus dem Nichts heraus angeboten wurde, auch als Übersetzerin, und ich kann die Arbeit genau wie die andere Arbeit von zu Hause aus erledigen. Natürlich bekomme ich dadurch einen Teil der Sicherheit einer Festanstellung, nicht zuletzt bezahlten Urlaub. Ich habe mich immer sehr schwer getan, wirklich Urlaub zu nehmen. Immer kam gerade dann, wenn ich ein paar freie Tage geplant hatte, ein lukrativer oder besonders spannender Auftrag rein, den ich dann nicht absagen wollte. Das war lange eine große Herausforderung für mich: Anfragen abzulehnen, weil die Kapazitäten ausgeschöpft waren. Zu Beginn ist klar, dass man auch unschöne Arbeitszeiten in den Abenden oder an Wochenenden in Kauf nimmt, aber irgendwann darf (und muss und sollte) man sich das Recht herausnehmen, Grenzen zu ziehen und nicht mehr alles zu machen. Erfahrungsgemäß kommen Kunden trotzdem wieder, wenn sie von der Arbeit überzeugt sind, oder sie fragen direkt, innerhalb welcher Frist man es denn schaffen könnte.

Mein Fazit nach sechs Jahren ist, dass ich den Schritt in die Selbständigkeit nie bereut habe. Natürlich bin ich „selbst und ständig“, wie es so schön heißt, und das wird sich vermutlich nie ändern. Aber die viele Arbeit hat sich ausgezahlt, nicht zuletzt in der Form von Erfahrung. Nach wie vor liebe ich die Abwechslung, denn ich weiß nie, was als nächstes kommt. Ich habe gelernt, was ich kann und genau das auch nach außen zu vertreten und zu „verkaufen“. Ich habe gelernt, Nein zu sagen, wenn eine zeitliche oder Belastbarkeitsgrenze erreicht ist. Ich kann sehr gut sagen, wenn etwas nicht in mein Fachgebiet fällt – denn auch das wissen die Kunden zu schätzen. Nach all der Zeit habe ich nun die Freiheit, mir die Rosinen unter den Kunden herauszupicken, d.h. diejenigen, die am besten bezahlen und die interessantesten Aufträge schicken.

„Nichts, das sich zu haben lohnt, fällt einem in den Schoß“ ist ein Zitat aus der Serie Scrubs. Das fällt mir ein, wenn ich kurz zusammenfassen müsste, was Selbständigkeit bedeutet. Ich würde in jedem Fall empfehlen, eine gewisse zeitliche und räumliche Trennung zwischen Arbeit und Privatem zu praktizieren, aber das ist sicher neben der eigenen Persönlichkeit auch vom Job abhängig. Selbständig zu sein ist nicht leicht – ich bin selbst für alles verantwortlich und zuständig, aber wenn man die eigentliche Arbeit wirklich gern macht, lohnt sich alle Anstrengung. Alle Arbeit mache ich für mich – alles, was ich mache, und auch alles, was ich nicht mache. Nicht zuletzt ist es schön, wenn Kunden immer wieder kommen und einem somit bestätigen, dass man seine Sache gut macht.

Viel Erfolg!

Eure Sarah!

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂 Mehr über Sarah und ihre Arbeit als Übersetzerin erfährst Du auf www.sprachfreund.de Gerade ist zudem Sarahs Blog online gegangen: www.fraeuleinkokolores.de

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

Foto © Romy Geßner

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

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