Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Nele Süß. Vielen Dank liebe Nele, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

 

Nele Süß, Kommunikationsprofi. 2011 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

„Moin! Ich bin Nele Süß, 38, komme aus dem Dörfchen Sorgbrück in Schleswig-Holstein und bin von Beruf eierlegende Wollmilchsau.“  So stelle ich mich mittlerweile nach rund fünf Jahren Selbstständigkeit oft vor. Um zu erklären, wie es dazu kam und warum das genau so richtig gut ist, muss ich mit meiner Geschichte im Frühjahr 2011 anfangen:

Vor meiner Selbstständigkeit habe ich in mehreren Verlagen als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Meine letzte Station in der Buchwelt war ein Verlag für Wirtschaftssachbücher in Hamburg – für mich als Geisteswissenschaftlerin ein Terrain, von dem ich a) keine Ahnung hatte und b) ehrlich gesagt auch keine Ahnung haben wollte. Ich habe dort trotzdem einen guten Job gemacht und ziemlich gut gelernt, über Dinge zu sprechen, von denen ich nur bedingt Ahnung hatte – glücklich hat mich das aber nicht gemacht. Glücklich war ich, wenn ich einmal die Woche zu „meinen“ Studierenden an der Uni Hamburg durfte. Ich habe dort „Berufsfelderkundung PR“ unterrichtet und schnell gemerkt, dass es mir einfach richtig viel Spaß macht, den Studierenden praktisches Wissen weiterzugeben, sie zum Nachdenken anzuregen und mit ihnen zu diskutieren. Als mein Vertrag mit dem Verlagshaus endete, war das für mich die Gelegenheit, meine berufliche Zukunft nochmal ganz neu zu überdenken. Ich wusste: Der Gründungszuschuss war (zu dieser Zeit!) relativ leicht zu bekommen und da mich die Selbstständigkeit immer schon gereizt hatte, entschied ich mich, meine eigene kleine PR-Agentur zu gründen und eine Coaching-Ausbildung zu absolvieren, um ein zweites Standbein zu haben.

Also ab zum Arbeitsamt in Hamburg, denn dort wohnte ich zu der Zeit noch. Nachdem ich von Freunden gruselige Geschichten über die Agentur für Arbeit gehört hatte, machte ich mich auf das Schlimmste gefasst – und wurde sehr positiv überrascht: Von einer freundlichen und ausgesprochen kompetenten Mitarbeiterin, die meine Pläne ganz großartig fand und mir unbedingt zur Beantragung des Gründungszuschusses riet. Sie drückte mir einige Informationen in die Hand, verdonnerte mich zu einem mäßig guten Vortrag zum Thema Gründungszuschuss und empfahl mir, mich mit einem Steuerberater zu treffen, um meinen Businessplan durchzugehen. Letzteres muss man ja sowieso machen, um die Zahlen absegnen zu lassen. Also: Im Freundeskreis gefragt, eine Empfehlung bekommen, Text geschrieben (das fiel mir zum Glück leicht, denn als PR-Frau muss man das können), Excel-Tabellen mit Einnahmen und Ausgaben gemacht (das fiel mir gar nicht leicht – ich mag Buchstaben, aber mit Zahlen komme ich eher so mittelmäßig klar) und zum Steuerberater gewackelt, der mir als erstes einbläute: „Unter 45€ netto die Stunde arbeiten Sie aber nicht!“

Dann kam mein Umzug nach Kiel. Dort bin ich dann nochmal zur Agentur für Arbeit gegangen, habe alle Unterlagen vorgezeigt, mit meiner Sachbearbeiterin nett geschnackt und ein paar Tage später war alles im Lack. Ich hatte die Zusage für den Gründungszuschuss und somit monatlich ein hübsches Sümmchen zur Verfügung, das mir, zusätzlich zu meinem privaten Sicherheitsnetz bestehend aus meinem Partner und meiner Familie, die Freiheit gab, mich zu verwirklichen. Zudem hatte ich das große Glück, dass einer meiner vorherigen Arbeitgeber an mich herantrat und mir anbot, freiberuflich einige Veranstaltungen für ihn zu planen und zu moderieren. Das hatte ich zwar noch nie so wirklich gemacht, aber man hatte Vertrauen in mich – und ich legte los.

Tja, und nachdem ich dann diese Veranstaltungen mit Bravour absolviert hatte, kam das große Loch. Es wurde Herbst, die Tage wurden kürzer (in Kiel sind sie übrigens besonders kurz…), das Wetter eklig (auch da ist Kiel echt gut drin!) und ich immer trübsinniger. Ich wusste einfach nicht, wohin mit mir: Die Coaching-Ausbildung war großartig, aber hatte natürlich auch viel angestoßen, u.a. dass ich gar nicht als PR-Frau selbstständig sein wollte, sondern lieber als, tja, als irgendwas anderes. Aber was nur? Auch lange Strandspaziergänge und aufwühlende Gespräche mit Freundinnen brachten kein Ergebnis – bis mein damals noch Freund, heute Mann irgendwann zu mir sagte: „Vielleicht ist dein Ziel ja erstmal, ein Ziel zu finden.“ Ich starrte ihn an und merkte: Das ist es! Er hatte die Karotte entdeckt, die man mir vor die Nase halten musste, damit ich wieder auf Spur kam und zielstrebig loslegen konnte. Und was sollte mir schon passieren? Ich hatte den Gründungszuschuss für ganze neun Monate (so war das zu der Zeit noch!) in der Tasche – und einen großartigen Mann, der mir schon was zu futtern kaufen würde, wenn es eng werden sollte.

 

Und so fing ich langsam an, meine Fühler in Kiel auszustrecken.

Denn das wissen wir ja alle: Als Selbstständige*r braucht man ein gutes Netzwerk, um voran zu kommen. Über Umwege landete ich im Kieler Businessclub und traf mich jeden Freitagmorgen um 7.30 Uhr (uaaahhhhh!) mit anderen Selbstständigen zum Frühstück: Um mich auszutauschen, vorzustellen und zu zeigen, was ich drauf hatte. Ich arbeitete u.a. mit dem dortigen Steuerberater zusammen, mit dem ich andere Gründer beriet und coachte. Dann kam das Angebot, einen zweiten Lehrauftrag an der Uni Hamburg zu übernehmen: Einführung in die Teamarbeit. Ich war Feuer und Flamme. Zum einen konnte ich dort mein Wissen aus der Coaching-Ausbildung gleich anwenden, zum anderen ist mein Mann als Sozialpädagoge Spezialist für genau dieses Thema. An langen Abenden vermittelte er mir weitere Methoden und plante mit mir das Semester – und meine Studis waren begeistert von mir.

Kurz danach trudelten weitere Angebote in Sachen Workshops und Coachings ein: Alle über mein Netzwerk, das ich immer brav gepflegt hatte und das auch noch heute mit Freude tue – und zwar nicht nur, weil ich darüber Aufträge bekomme, sondern weil es mir einfach wahnsinnig Spaß macht, ich eine große Neugier für die Menschen um mich herum hege und selbst gerne Leute empfehle, die ich gut finde! Zusätzlich hat mein Mann mich in seinem Netzwerk empfohlen, was mir Aufträge in verschiedenen Jugendverbänden bescherte. Und so kam eins zum anderen: Ich gab Workshops zu den Themen Kommunikation, Teamarbeit, Präsentation an Hochschulen, in Berufsschulen, bei Verbänden. Und trotzdem fehlte mir etwas, und zwar ein Team. Ich mochte meine Teilnehmer*innen, tauschte mich regelmäßig mit einer sehr guten Freundin aus, die so ziemlich das gleiche tut, wie ich und konnte mit meinem Mann wunderbare Gespräche über meine Arbeit führen. Aber ein Team, wie ich es vorher in meinen Festanstellungen hatte, gab es eben trotzdem nicht. Und was ich auch nicht gut hinbekam, war, mir einen Tagesrhythmus zu geben. Ich schlief mal aus, mal nicht, arbeitete manchmal bis spät in die Nacht, kam morgens nicht hoch, aß unregelmäßig: alles Dinge, die einer hochsensiblen Migränikerin wie mir so gar nicht gut tun. Also beschloss ich: Ein Teilzeitjob muss her.

Ich durchkämmte die Jobbörsen, fand alles Mögliche, aber irgendwie nichts, was mich so richtig reizte. Es sollte schon was sein, was mir auch inhaltlich Spaß brachte. Und dann, eines Nachts, stieß ich auf eine Anzeige des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein, der doch tatsächlich eine PR-Referentin in Teilzeit suchte – ein Job mit Seltenheitswert, denn PRler arbeiten eher Vollzeit.

Stand heute ist: Ich arbeite in Teilzeit bei den LandFrauen und habe dort ein Arbeitsumfeld und Aufgaben, die mich wirklich sehr zufrieden machen. Ich bin zweieinhalb Tage die Woche bei „meinen Mädels“, was meiner Woche eine gute Struktur gibt. Ich habe Kolleginnen, mit denen ich auch mal einen kleinen Schnack halten kann und wenn größere Projekte anstehen, wuppen wir sie zusammen. Ich bin auch nicht immer für alles verantwortlich, sondern habe in meinem Angestelltendasein eine Chefin, mit der ich vieles besprechen kann – und einen Vorstand, der meine Arbeit schätzt. Und natürlich hat das regelmäßige monatliche Einkommen auch etwas ungemein Beruhigendes!

Im Rahmen meiner Selbstständigkeit gebe ich Workshops und moderiere Veranstaltungen – und dafür, dass ich im Grunde keine Akquise mache, sondern „einfach nur“ mein Netzwerk pflege, kommt da ganz gut was zusammen. Ich werde immer besser in meinen Themen: In Sachen Kommunikation, Teamarbeit, Präsentation, Selbstmarketing, Motivation und PR/ÖA macht mir so schnell keiner was vor. Zudem macht es mir Spaß, diese Themen auch zu mischen und immer mal hier und da zusätzliches Wissen einfließen zu lassen. Ich habe auch meinen Stil gefunden: Eine gesunde Mischung aus Lässigkeit, Strenge, Erfahrung, Fachwissen und vieeeeel Humor.

Derzeit absolviere ich noch eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin und habe meine Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen wiederentdeckt … Mal sehen, was sich daraus noch so machen lässt. Ach so – mein Mann und ich sind mittlerweile aufs Land gezogen. In der Nähe von Rendsburg haben wir einen alten Landgasthof gekauft und bauen ihn gerade um: zu einem Seminarhaus, das von Gruppen gemietet werden kann und in dem ich ebenfalls Seminare geben werde.

 

Würde ich aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Ein bisschen mehr Gelassenheit wäre sicher manchmal gut gewesen und weniger Grübelei. Neulich ist mir mal wieder „Momo“ in die Hände gefallen– und ich kann nur empfehlen: Lest dieses Buch nochmal als Erwachsene!

Zum einen, weil mir beim Lesen erneut sehr bewusst geworden ist, dass meine Lebenszeit sehr wertvoll ist. Ich möchte meine Stundenblumen nicht mit unbefriedigender Arbeit vergeuden und auch nicht mit Ängsten. Ich hätte vielleicht öfters mal über genau die sprechen sollen, denn ich habe viel mit mir selbst ausgemacht.

Zum anderen, weil das, was Beppo, der Straßenkehrer sagt, für uns alle gilt: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Viele Grüße und viel Erfolg!

Nele

 

Mehr über Nele erfährst du auf ihrer Website.

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest du in 2 Wochen 🙂

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Foto © Maya Meiners

 

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Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

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