Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Elisabeth Weigel. Vielen Dank liebe Elisabeth, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Elisabeth Weigel, Suchspezialistin für Sichtbarkeit im Internet. Im Januar 2014 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Hallo, mein Name ist Elisabeth Weigel, 32 Jahre alt. Ich bin ein Nerd, und stolz darauf. Ich habe mich immer dafür interessiert, was die Welt im Innersten zusammenhält und wie man es am besten erklärt. Denn was nutzt Wissen, wenn man es nicht teilen kann? Zunächst habe ich in Deutschland Physik studiert, dann zog das Fernweh mich zur Promotion nach Singapur. Vier Jahre später, 2011, brachte mein Heimweh mich zurück nach München, meiner neuen Wahl-Heimat. Weil die wissenschaftliche Karriere für mich zu unsicher war, habe ich mir einen „echten“ Job gesucht in der Finanzbranche. Dort werden Physiker sehr gerne genommen. Und gut bezahlt. Ob man mit Physikzahlen oder Finanzzahlen jongliert macht wenig Unterschied. Dachte ich mir. Und in der Tat: Meine Fähigkeiten waren kein Problem. Aber das Herz machte nicht mit. Der Verstand sagte: Gut bezahlter Job, sicherer Arbeitsvertrag, nette Kollegen. Mein Herz sagte: Keine Herausforderung, kein Produkt, welches ich herstelle, sondern nur Zahlen, dich ich durch die Gegend schubse. Keine Bedeutung. Nichts, was die Welt verbessert. Will ich das wirklich bis zum Ende meines Lebens machen?

Nein, ich fühlte mich zu jung, suchte eine neue Herausforderung. Ein Wechsel innerhalb der Finanzbranche hat die Sache nicht besser gemacht. Mehr Geld, mehr Stress, noch weniger Zufriedenheit. Mittlerweile war ich auch schon ein Jahr mit der Liebe meines Lebens zusammen. Ein Jahr, das war immer die magische Grenze, bei der Beziehungen bei mir sonst immer auseinander brachen. Wir wussten, wir wollen heiraten und Kinder bekommen. Gleichzeitig wurde ich mangels Leidenschaft für meinen Job innerhalb der Probezeit gekündigt. Ich war erleichtert. Gleichzeitig hatte ich das Problem dass ich eine neuen Job brauchte und schwanger werden wollte. Nachdem ich mir zweimal einen Job gesucht hatte, der nicht passte, war ich unsicher wer ich bin und was ich tun will. Das erschwert das Schreiben von Bewerbungen ungemein. Außerdem wollte ich nicht als erstes in einer neuen Firma schwanger werden. Interessanterweise hatte ein guter Freund, der mich mit meinem Ehemann verkuppelt hat, gerade ähnliche Probleme, und wollte sich selbstständig machen. Als Online Marketing Consultant. Alles was man braucht um im Internet sichtbar zu sein. Das fand ich interessant. Computer sind meine Stärke, da war ein sinnvolles Produkt (Leuten mit dem Internetauftritt ihrer Firma helfen) greifbar.

Die Selbstständigkeit hat mir erlaubt Arbeit mit Familie zu vereinbaren. Ich konnte problemlos meine erste Tochter im Juli 2014 bekommen und nebenbei weiter meine Firma aufbauen, genau so viel arbeiten wie es halt ging. Ohne mich gegenüber jemand anders zu rechtfertigen. Außerdem konnte ich viele verschiedene Produkte ausprobieren, herausfinden was genau ich machen möchte. So schnell hätte ich mich persönlich als Angestellte nie entwickeln können. Und ich hatte endlich Kontakt zu meinen Kunden. In der Finanzbranche sass ich nur am Computer. Kundengespräche zu führen musste ich erst lernen, aber es hat mich wieder persönlich unheimlich weit gebracht. Wissen, was für den einzelnen Menschen wichtig ist. Ein Danke zu hören, das Gefühl jemanden geholfen zu haben. Es gibt kaum etwas schöneres. Je besser das Feedback war, desto mehr wusste ich dass diese Tätigkeit Sinn macht.

Bedenken hatte ich natürlich viele. Wie akquiriert man Kunden? Steuern, Rechtsform, Abrechnungen, die ganze Buchführung. Nie zuvor gemacht. Preise für die eigene Dienstleistung finden. Wie geht das denn? Zum Glück hatte mein Geschäftspartner schon einige erfolgreiche eigene Firmen geführt, und diesen Teil für uns übernommen. Und die ganz große Frage: Bekomme ich den Gründungszuschuss? Da hatte ich schon Angst. Auch hier lief alles ganz einfach bei mir. Mein Berater beim Arbeitsamt sah meinen Lebenslauf: Theoretische Physikerin. Lebensfremd. Hat einmal in seiner Datenbank nachgeschaut: Keine Stellen für Physiker ausgeschrieben. Na dann sei ich wohl nicht vermittelbar und solle mal meine Pläne zur Selbstständigkeit ausarbeiten. Dass ich zum Zeitpunkt des Gespräches schon schwanger war hatte ich nicht erwähnt. Gleich im ersten Gespräch wurden mir die Unterlagen zur Beantragung des Gründungszuschusses gegeben.

Mein Geschäftspartner hatte weniger Glück. Als gelernter Kaufmann gab es jede Menge offene Stellen, auf die er sich hätte bewerben können, und bekam nicht die Gelegenheit sich zu bewerben. Obwohl wir dieselbe Firma gründen wollten.

Als nächstes musste ich den Business Plan erstellen. Wieder hatte ich den Vorteil dass mein Geschäftspartner ähnliches schon mal gemacht hatte und ich zahlen- und computerbegeistert bin. Wir brauchten auch kein Startkapital. Computer und Internet, viel mehr war nicht nötig. Auf eigene Büroräume haben wir anfangs verzichtet, das spart viel Geld ein. Den Antrag musste ich noch von einer externen Agentur prüfen lassen, das ging auch unkompliziert. Und nach einer Wartezeit von ca. 2 Monaten war er auch bewilligt, ich war seit 01.01.2014 selbstständig. Bis Juni habe ich dann Gründungszuschuss bekommen, ab Juli war ich im Mutterschutz und habe anschließend Elterngeld bekommen. Zwar konnte ich wegen Schwangerschaft und Geburt und anschließend Stillen weniger Arbeiten, dafür kamen durch die Sozialleistungen aber auch Geld rein.

Um mit dem Thema schlaflose Nächte und Windeln wechseln möglichst schnell durch zu sein, haben mein Mann und ich das zweite Kind gleich hinterhergeschoben. Februar 2016 habe ich meine zweite Tochter zur Welt gebracht. Das sind schon anstrengende Tage zur Zeit, aber machbar. Meine Kunden wussten alle von meiner Schwangerschaft, und es war kein Problem sich auf meinen Arbeitsrhythmus einzustellen. Das war ein sehr schönes Gefühl. Ich vermute so unkompliziert liefe es in einer großen Firma nicht, wenn ein Chef der Meinung ist ich sei jetzt nicht mehr zuverlässig verfügbar.

Nach zweieinhalb Jahren Selbstständigkeit kann ich sagen: Es gefällt mir. Ich habe mich als Mensch stark entwickelt. Ich bin selbstbewusster, weil ich gelernt habe dass ich Probleme alleine lösen kann. Auch Gründen und Kinder bekommen ist nicht unmöglich. Es geht alles ein wenig langsamer, aber anfangs haben die meisten eh wenig Aufträge. Frau darf auch bis zu 30 Stunden die Woche arbeiten und trotzdem Elterngeld bekommen. Die Kommunikation mit der Krankenkasse war nervtötend, aber na gut, das gehört dazu. Zur Zeit habe ich zwar defacto keine Freizeit, fühle mich aber auf dem richtigen Weg.

Das Portfolio meiner Firma habe ich entsprechend meiner Interessen und Kundenfeedback geändert. Bemerkenswerterweise bekommen die Sachen, die mir am meisten Spass machen, auch das beste Feedback. Für mich mit der beste Grund, sich selbstständig zu machen: Sich auf seine Stärken konzentrieren zu können. Da ich gerne verstehe und lehre, werde ich Erklärdienste rund ums Internet anbieten. Dazu gehören sowohl „SEO Seminare für den Großraum München“ als auch „Erklärung der Websitedaten“.

Was läuft gut, wo könnte es besser sein und was geht gar nicht? Diese Zahlen sind einfach verfügbar, aber wenigen macht es Freude sich damit auseinander zu setzen. Zahlen lügen nicht – aber sie drücken sich verdammt schlecht aus. Und helfen mit benutzerfreundlichen Berichten. Kurz und übersichtlich. Da meine Töchter gut beim Vater aufgehoben sind, kann ich wieder ganztags Seminare geben. Da ich leider nicht jede Nacht tief und fest schlafe, hänge ich mit dem Programmieren meiner Auswertungssoftware meinem eigenen Zeitplan hinterher. Aber na gut, eines nach dem anderen. Die Idee der Software will ich aber trotzdem teilen. Es wird kommen!

Zwischendurch gab es auf einem MomPreneur Treffen in München noch eine andere, wichtige Idee. Selbstständige Kleinunternehmer besser zu vernetzen. Zum Beispiel gezielt mit anderen Müttern zusammenarbeiten. Oder gezielt nach Produkten suchen, die in irgendeiner Weise fair produziert worden sind. Solche ganz besonderen Nischenprodukte sind schwer im Internet zu finden. Auf den großen Marktplätzen wie eBay oder Amazon gehen sie in der Masse der kommerziellen Anbieter unter. Auch neue Produkte, die alte Probleme lösen, sind im Internet schwer zu finden, weil danach nur schwer gesucht werden kann, wenn man den Namen der Lösung noch nicht kennt. All dieses soll auf einem Portal verbessert werden. Auch da bin ich noch nicht fertig, aber Januar 2017 soll es live gehen, das ist ja schon bald.

Was ich anderen Gründerinnen mitgeben möchte:

Tut es! Lebt Euren Traum. Das Leben ist zu kurz, um die Träume Eurer Arbeitgeber zu realisieren.

Ich persönlich träume vom Internet der Vielfalt. Dass sich jeder mit seiner oder ihrer ganz eigenen tollen Idee Selbstständig machen kann. Mit leidenschaftlichen Menschen im Alltag zusammenarbeiten, anstelle von frustrierten Angestellten, die ihren Arbeitstag absitzen und wo immer alles unmöglich ist. Macht und Geld fairer in der Bevölkerung verteilen. Leider wird das Internet immer gleichförmiger. Es wird kopiert, was erfolgreich ist, und so geht auch hier Individualität verloren. Aber das werde ich nicht akzeptieren, hier kämpfe ich. Auch für meine Töchter. Welche Zukunft wollt Ihr Euren Kindern hinterlassen?

Viel Erfolg!

Eure Elisabeth

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?

';