Heute liest Du den Erfahrungsbericht von Sandra Barwitzki. Vielen Dank liebe Sandra, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Vorraussetzungen nicht? Dann empfehle ich Dir diesen Artikel zu lesen.

 

Sandra Barwitzki, Grafikerin. Im November 2015 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Hallo, ich bin Sandra. Ich bin 31 Jahre und komme aus Bonn.

Ich habe mein Kreativbüro „zartmint design“ zum 1.11.2015 gegründet. Ich bin freiberufliche Grafikerin mit Spezialisierung auf Hochzeitspapeterie. Aber auch andere kreative Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen biete ich an. Derzeit arbeite ich an den Projekten „Green Wedding” und grüne & nachhaltige Printprodukte wie z.B. Corporate Design.

Nach einer Ausbildung zur Grafikerin, einem Studium im Bereich TV-Produktion und anschließend vielen Jahren in unterschiedlichen Branchen und Berufsfeldern war für mich schließlich klar, dass ich mich selbst verwirklichen möchte. Ich habe Stärken in vielen Bereichen aufgebaut und mir wurde irgendwann klar, dass der Job, den ich mir wünsche nur in meiner Phantasie existiert. So musste ich entweder weiter träumen oder meinen Traumjob selbst schaffen. Ich habe also im letzten Jahr meine unbefristete Festanstellung an den Nagel gehängt und es gewagt. Da ich komplett ohne Eigenkapital oder Bankkredit gründen musste/wollte, habe ich mich schließlich beim Arbeitsamt beraten lassen. Ich hatte wirklich Glück mit meinem Berater, welcher mir riet den Gründungszuschuss zu beantragen. Er betonte hier aber auch, dass dies nicht immer möglich sei. Da ich aber den Wunsch hatte mir mein vielfältiges Berufsfeld selbst zu schaffen, war hier natürlich keine sozialversicherungspflichtige Stelle beim Amt für mich zu finden.

Ich durchlief also ein paar chaotische Wochen, in denen ich mit Hilfe von meinen lieben Freunden einen Businessplan schrieb. Die Zeit des Schreibens war nicht immer einfach. Der Konzeptteil und alles was mit meiner Idee, dem Marketing und so weiter zu tun hatte ging mir recht gut von der Hand. Am meisten störte mich, dass mir das Schreiben des Businessplans so viel Zeit raubte. Zeit in der ich lieber andere Dinge getan hätte. Meine Webseite musste noch fertiggestellt und mein Portfolio gefüllt werden. Auch hätte es mir mehr Spaß gemacht auf Netzwerktreffen zu gehen und alte Kontakte aufleben zu lassen. Aber der Businessplan sollte mich ja auf finanzieller Ebene weiter bringen. Also half es nichts und ich hängte mich rein.

Bei der IHK Bonn-Rhein-Sieg belegte ich das kostenlose Seminar für Gründer „Basisseminar Businessplan” – was ich absolut empfehle! Das Seminar motivierte und alle offenen Fragen konnten gestellt und zu 98% beantwortet werden. Der Finanzteil war mit all seinen Kapiteln das Schlimmste. Hier halfen mir Freunde bei der Struktur, sodass ich zunächst ganz organisiert alle Zahlen beschafft habe, die benötigt wurden. Zum Glück habe ich einen „Banker“ im Freundeskreis, der den Finanzteil las und mir seine Bedenken und offenen Fragen mitgab. Ich korrigierte den Finanzteil und ließ ihn erneut Korrekturlesen. Nachdem der Businessplan nun auch optisch nach meinen Vorstellungen aussah (als Grafikerin muss auch so etwas gelayoutet werden), gab ich ihn zum Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn. Das Arbeitsamt fordert ja eine sogenannte „Tragfähigkeitsbestätigung”. Diese wurde mir dort ausgestellt. Der Berater dort motivierte mich auch enorm. Bei einem Gespräch sagte er, dass mein Businessplan super wäre und er von meiner Idee sehr angetan ist. Als der Businessplan danach endlich beim Arbeitsamt lag kontaktierte mein Berater mich, dass ich im Finanzteil 2 Stellen habe, die ich korrigieren sollte. Ohne diese Korrekturen könne er ihn nicht akzeptieren. Ich korrigierte also auch diese Fehler (hier handelte es sich um zu niedrige Zahlen „unterm Strich” in den ersten 8-10 Monaten). Nun… tatsächlich schaffte ich es den Gründungszuschuss für 6 Monate genehmigt zu bekommen. Die Dauer zwischen Beantragung und Zusage lag bei circa 3 Monaten (Antrag 15.9. / Abgabe Businessplan beim Arbeitsamt 6.10. / Zusage 3.11.).

Der Gründungszuschuss erleichterte mir den Start in die Selbstständigkeit enorm. Das Geld sicherte mir für den Anfang meine Grundbedürfnisse. Ich schaffte es schließlich auch, die Verlängerung (9 Monate 300 Euro) zu beantragen und bekam auch dies genehmigt.

Viele Kontakte (aus meinem alten Job in der Hochzeitsbranche), Freunde und meine Familie halfen mir, dass ich direkt durchstarten konnte. Nun sind die ersten 7 Monate vorbei und ich bin glücklich, dass ich es gewagt habe. Ich bin ausgeglichener, liebe es meine Zeit nach meinen Bedürfnissen und Wünschen frei einteilen zu können. Ich bin freier und somit auch kreativer! Auch wenn ich am Ende wahrscheinlich mehr als 40 Stunden in der Woche arbeite, oft sicher an die 60 Stunden und mehr. Aber da es DAS ist was ICH machen möchte und auch weiß wofür ich es am Ende tue, merke ich das kaum. Ich habe meinen Partner, meine Familie & Freunde zu 100% hinter mir stehen und das bedeutet mir nicht nur viel, sondern motiviert mich enorm. Es gibt natürlich immer Momente von Zweifel a la: „Reicht das Geld am Ende des Monats?“, „Was ist, wenn die Aufträge ausbleiben?“… aber in solchen Momenten gibt mir mein soziales Umfeld Rückhalt. Ob nach dem Motto „Du wirst sehen, dass es funktioniert.“, „Wenn nicht, wird sich immer eine Lösung finden.“

Früher habe ich Sprüche wie „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ immer belächelt, aber es stimmt! Wenn es nicht klappen sollte, dann suche ich mir wieder einen Job. Aber ich werde nie da sitzen und traurig sein, dass ich es nicht wenigstens versucht habe.

 

Was ich Gründerinnen mitgeben möchte.

Ich möchte allen Gründerinnen mit auf den Weg geben, dass man es versuchen sollte. Auch wenn viele Berater einem beim Gespräch ausreden wollen, den Zuschuss zu beantragen. Die Ämter haben so weit ich weiß ein Limit, wie viele Zuschüsse bewilligt werden können. Da es auch für sie einen hohen verwaltungstechnischen Aufwand bedeutet, wollen sie nicht jeden motivieren. Ich glaube, da kommt auch viel Mist an. Wenn Du aber hinter Deiner Idee stehst und dafür brennst, dann wird auch dein Businessplan super werden. Informiere dich bei deiner IHK, Wirtschaftsförderung und anderen offiziellen Stellen nach Hilfestellungen und suche dir eine Struktur zur Businessplan-Erstellung. Ich habe zum Beispiel bei der IHK ganz offen nachgefragt, was einen Businessplan für das Arbeitsamt von dem für eine Bank unterscheidet und auf welche Kleinigkeiten und wichtige Punkte das Arbeitsamt besonders achtet. Diese Punkte habe ich im Businessplan dann schön ausgearbeitet.

Zeige Motivation und bekomme was du willst! Dann wirst du es auch schaffen.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!

Liebe Grüße,

Sandra

 

 

Wer wissen will, was Sandra schönes designt, der kann hier einen Blick auf ihre Website werfen.

Die nächste Gründungsgeschichte lest ihr in 2 Wochen! Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Foto © Tanja Wesel, Tausendschön Photographie

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