Heute liest Du den Erfahrungsbericht von Katja Kunz. Vielen Dank liebe Katja, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich Dir diesen Artikel zu lesen.

 

Katja Kunz, Coach & Trainerin. Im Juli 2014 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

  

Hallo, mein Name ist Katja Kunz, ich bin 41 Jahre und komme aus dem schönen München.

Ich habe über 15 Jahre in einer Werbeagentur gearbeitet, davon die letzten knapp sechs Jahre als Führungskraft. Was mich dort immer gestört hat, war die Art wie Führung verstanden wurde. Es ging nur um Zahlen, Daten, Fakten – der „Faktor Mensch“ wurde oft nicht berücksichtigt. Es ging nicht darum, den Mitarbeiter nach seinen Stärken einzusetzen, sondern dass der Job getan werden musste – egal wie.

Aus diesem Grund habe ich damals eine systemische Coaching-Ausbildung gemacht. Ich wollte die Mitarbeiterführung anders gestalten. Leider bin ich dann allerdings innerhalb „eines großen Verwaltungsapparats“ an meine Grenzen gestoßen. Nachdem ich weitere Ausbildungen in den Bereichen NLP und Gewaltfreier Kommunikation gemacht habe, wurde mir klar: Ich kann mein Leben nur so gestalten, wie ich es will, wenn ich mich selbstständig mache.

 

Und dann entschied ich mich für die Selbstständigkeit

Im Laufe meiner Ausbildungen wurde mir immer klarer was ich kann und vor allem was ich anderen bieten kann. Darüber hinaus wurde mir bewusst, wie groß bereits mein Netzwerk ist, auf dem ich gut aufbauen kann.

All das Gute, was ich die letzten Jahre gelernt und für mich erfahren habe, wollte ich gerne an andere weitergeben. Dafür stehe ich, und dafür brenne ich!

Meine Idee: Ich wollte NLP-Ausbildungen anbieten, Führungs-, Teamentwicklungs- und Kommunikationstrainings geben und als Business- und Personal-Coach arbeiten.

Die größte Hürde war das Thema „Sicherheit“, wie wahrscheinlich bei vielen, die diesen Schritt gemacht haben. Raus aus einer gut bezahlten Stelle mit sicherem Einkommen, rein in die (vermeintliche) Unsicherheit der Selbstständigkeit.

Der erste Schritt ging deswegen auch erstmal in die Teilselbstständigkeit. Ich arbeitete erst vier, dann drei Tage als Festangestellte bei einem kleinen Verlagsbüro, das mir auch gleich meinen ersten Business-Coaching-Klienten brachte. Während dieser zwei Jahre baute ich mir mein Business auf. Ich startete mit der Logo-Entwicklung, der Website und dann auch mit der Kundenakquise. Parallel habe ich noch mein Fachwissen vertieft, was mir zusätzliches Selbstvertrauen gab. In der Zeit habe ich schon bemerkt: „Ok, das geht!“ Ich hatte von Anfang an einen befristeten Vertrag und habe mich dann nach zwei Jahren komplett selbstständig gemacht habe.

Mein Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit war in erster Linie der Prioritätenwechsel meiner Werte: Statt „Sicherheit“ wurde mir „Authentizität“ wichtiger, und ist auch heute noch einer meiner wichtigsten Werte.

Ich meldete mich bei meiner Agentur für Arbeit. Bei meinem ersten Gespräch zum Ende meines Teilzeit-Jobs und meiner zukünftigen beruflichen Ausrichtung hatte ich schon angedeutet, dass ich mit dem Gedanken spiele mich selbstständig zu machen. Die Betreuerin war unglaublich freundlich und hat mich gleich mit allen Infos versorgt.

Dann hatte ich leider einen Wechsel in der Betreuung. Die zweite Dame war dann anfangs noch, sagen wir mal, reserviert freundlich. Sie hat mich mit dem Nötigsten zum Thema „Existenzgründung“ versorgt, allerdings auch nur auf Anfrage wie „Ich habe gehört, es gibt bei Ihnen ja noch die Möglichkeit xy.“ – „Ja, ich schicke Ihnen was zu.“ Erschwert hat das ganze auch die Kommunikation mit der Agentur. Direkt anrufen kann man die Betreuerin nicht, man muss in seinem geschützten Arbeitsagentur-Bereich eine Mail schicken und bekommt dann eine Antwort oder einen Rückruf. Das erschwerte den Ablauf natürlich erheblich, weil ich es selbst nicht in der Hand hatte, dass und vor allem auch, wie schnell etwas voran geht. Aber an sich lief es bis dahin ganz gut.

Meine Vermittelbarkeit war für die Agentur nicht so einfach, da ich einen speziellen Bereich in der Werbung abgedeckt hatte, die Mediaplanung. Dort gibt es nicht so viele Jobs, zumal ich auch angegeben hatte, dass ich gerne wieder wie in meinem letzten Job Teilzeit arbeiten möchte. Ich hatte somit innerhalb von fünf Monaten genau einen Jobvorschlag, bei dem ich mich auch „brav“ beworben habe. Nach über fünf Monaten hatte ich dann wieder ein Gespräch mit der Agentur und bekam dann auch sofort den Antrag für den Gründungszuschuss ausgehändigt.

Der Businessplan war damals meine größte Herausforderung. Ich habe mich lange davor „gedrückt“. Dann habe ich mir Unterstützung von „GUIDE“ geholt, einem Frauennetzwerk, das Frauen bei der Existenzgründung unterstützt. Dort habe ich neben Tipps auch Vorlagen für die Erstellung eines Finanzplans bekommen und parallel dazu auch viele Infos gegoogelt.

Vor der Abgabe des Businessplans hatte ich noch einen Beratungstermin mit einem Herrn, der über die Agentur für Arbeit eingesteuert wurde. Das geschah im Rahmen des Existenzgründerprogramms, das die Agentur anbietet. Er hat mir noch ein paar Tipps gegeben, und ich konnte ihn auch danach noch „löchern“ bevor ich dann den Plan letztendlich an die Agentur abgegeben habe.

Fazit: Der erste Schritt war der schwerste. Einmal angefangen und mit Unterstützung von professioneller Seite, gepaart mit meinem Marketingwissen (also, wie stelle ich mich und meine Gründeridee ideal dar) ging es dann doch ganz gut.

 

Die Zusage für den Gründungszuschuss bekam ich ca. 3-4 Wochen nach der Beantragung.

 

Problematischer war dann das Prozedere der Verlängerung des Existenzgründungszuschusses nach sechs Monaten. Leider gibt es in dem Zusammenhang wenig bis kaum Informationen und Tipps im Internet oder über die Agentur, was hier genau gefordert wird bzw. was man bei dem finanziellen Plan beachten sollte.

Ich habe also den Antrag auf Verlängerung nach bestem Wissen und Gewissen gestellt. Meine Betreuerin hat ihn im ersten Step abgelehnt. Als ich sie dann – nach o.g. Prozedere – endlich am Telefon hatte und sie gefragt habe, welche Kriterien denn wichtig sind und ob sie mir einen Tipp geben könnte, meinte sie einfach nur „Nein“. Ich sollte das doch bitte selbst herausfinden, auf was es ankommt.

Meine zweite Version wurde dann von einer anderen Stelle bewertet – warum auch immer. Der Herr war wiederum sehr freundlich und gab mir viele Infos, die mir weitergeholfen haben. Er war auch sehr entgegenkommend, was die Abgabe anging. Ich durfte ihm meine korrigierte Version per Mail schicken (wow), was bei meiner Betreuerin nicht möglich war, bei ihr ging das nur per Brief (willkommen im Jahre 2014).

Zusammenfassend: Aus meiner Sicht ist es vom Betreuer und dessen/deren Launen abhängig, wie gut oder schlecht ich unterstützt wurde.

 

Heute, nach gut zwei Jahren Selbstständigkeit habe ich für mich meine Bereiche klarer:

Meine Unternehmen haben zwei Ausrichtungen:

kunz & gut. Coaching & Training. steht für die persönliche Weiterentwicklung mit

  • Ausbildungen im Bereich „Coaching“ und „NLP“ in Kooperation mit zwei renommierten Instituten
  • außergewöhnlichen Seminaren wie „Wirkung der Stimme“, „Ziele setzen und umsetzen“, „Selbstmarketing für Frauen“ und „Mentaltraining“
  • Coachings für Privatpersonen, die eine Veränderung in ihrem Leben wollen

kunz & KAOS – Wir inspirieren Unternehmen. ist eine Kooperation mit einer lieben Kollegin und steht für ein Trainernetzwerk aus neun Trainern mit dem Schwerpunkt „Die neue Arbeitswelt“. Das Besondere daran: Wir sind alles nicht nur Trainer, sondern auch Coaches und/oder Mediatoren – und vor allem Experten auf unterschiedlichen Gebieten, wie z.B. „virtuelles Arbeiten“, „Generationenmix-Teams“, „Führung und Selbstmarketing für Frauen“ oder „interkulturelles Arbeiten“. Wir beraten Unternehmen, die sich nachhaltig verändern wollen und fit für die Zukunft werden möchten. In dem Zuge bieten wir zum einen Coachings und Trainings für Führungskräfte, Teams und Mitarbeiter an und zum anderen für Führungskräfte Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen Coaching, Mediation, Moderation und Change Management. Unsere Trainings und Weiterbildungen können sowohl inhouse als auch als offene Seminare gebucht werden.

Meine größten Herausforderungen in der Selbstständigkeit waren und sind noch immer:

  • Geduld zu haben, wenn ich viel Zeit und Kraft in etwas investiert habe – von der Aussaat bis zur Ernte vergeht eben einfach eine gewisse Zeit
  • tägliche Motivation in den Phasen, in denen es nicht so gut läuft
  • dranbleiben, durchhalten und offen auch für eine Neuausrichtung/Veränderung der Positionierung sein
  • Nach außen gehen, sich zeigen, auch wenn heute vielleicht nicht der „ideale Tag“ ist und ich heute keine Lust habe auf das Netzwerk-Treffen o.ä.

 

Was ich Gründerinnen mitgeben möchte.

Wer den Gründungszuschuss beantragen will, dem empfehle ich nach Infos zu „googeln“ und parallel Existenzgründungsnetzwerke oder Berater zu kontaktieren, die mit dem Gründungszuschuss vertraut sind. Außerdem ist es nützlich sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Das gilt auch für die Selbstständigkeit selbst. Netzwerken ist das A und O, sei es persönlich oder virtuell – ich bekomme meine Aufträge fast ausschließlich über mein Netzwerk.

Dabei ist wichtig, Klarheit zuhaben: Wofür stehe ich, wofür bin ich Experte und worin kann mir keiner das Wasser reichen.

Und dann noch vielleicht mit das Wichtigste: Durchhalten! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – und leider auch keine Kunden. Auch die persönliche Weiterentwicklung/Veränderung ist wichtig. Anfangs hatte ich noch eine ganz andere Vorstellung davon wie mein Business aussehen wird. Erst seit einem Jahr nimmt es die Form an, wie es sich für mich gut und „richtig“ anfühlt.

Und noch etwas ganz Persönliches: Ich habe auch immer wieder Phasen, wo es nicht gut läuft. Wenn ich mir dann immer wieder vor Augen halte, wofür ich es mache, also meinen ganz persönlichen „höheren Sinn“ für die Selbstständigkeit, dann bekomme ich immer wieder die Kraft weiterzumachen.

 

Ich wünsche dir viel Erfolg!

Liebe Grüße,

Katja

 

Die nächste Gründungsgeschichte liest Du in 2 Wochen! Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!
Alles Liebe,

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Foto © Dorothee Elfring

 

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Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper