Heute startet meine Serie „Gegründet mit dem Gründungszuschuss“. In den kommenden Wochen wirst Du viele unterschiedliche Erfahrungsberichte von Frauen lesen, die mit dem Gründungszuschuss gegründet haben.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Vorraussetzungen nicht. Dann empfehle ich Dir diesen Artikel zu lesen.

Viele Frauen haben die Förderung erfolgreich beantragt. Du wirst es auch schaffen!

Den Auftakt meiner Serie macht Anett Petrich. Herzlichen Dank liebe Anett für Deinen Erfahrungsbericht!

 

Anett Petrich, Fotografin. Im Februar 2015 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

Hallo mein Name ist Anett Petrich, ich bin 28 Jahre und komme von der schönen Insel Usedom. Seit Februar 2015 bin ich nun als Fotografin selbstständig und habe den Schritt in die Selbstständigkeit nicht einen Tag bereut.

Kurz zu mir und meinem Werdegang und warum ich heute da stehe wo ich stehe. Nach meinem Abitur auf der Insel Usedom, hat es mich zum Studium nach Trier verschlagen. Ich habe dort drei Jahre lang International Business studiert und konnte ein Jahr in Schweden und Norwegen leben und studieren. Eine tolle Zeit die ich nicht missen möchte.

Bereits 2007 entdeckte ich die Liebe zur Fotografie. Ich kaufte mir meine erste Spiegelreflexkamera und knipste alles was mir vor die Linse kam. Nach meinem Studium war ich dann zunächst erst in einem kleinen IT Unternehmen, bevor ich zum Otto Konzern wechselte, um als Online Marketing Managerin in der Nähe von Aachen zu arbeiten.

2013 wurde mir die Landschafts- und Naturfotografie zu langweilig und ich beschäftigte mich immer mehr mit der Peoplefotografie. Ich buchte Models, fotografierte nach Feierabend und an den Wochenenden und schnell meldete ich die Fotografie als Nebengewerbe an. Die Anfragen wurden immer mehr und für mich selbst blieb kaum noch Freizeit über. Mein Vertrag bei Otto war auf 2 Jahre befristet und für mich stand fest, dass ich nicht in Nordrhein-Westfalen bleiben möchte. Mir fehlte das Meer und ein Freund von Fasching war ich auch nicht unbedingt.

 

Und dann entschied ich mich für die Selbstständigkeit.

Während eines Urlaubs in meiner Heimat reifte in mir immer mehr der Wunsch mein eigener Chef zu sein, meinen Traum zu leben und in meine Heimat zurückzukehren. Ich beschäftigte mich somit zum ersten Mal ernsthaft mit dem Thema Selbstständigkeit und Gründung. Durch Zufall fand ich meine perfekte Traumwohnung in meinem Heimatort und ohne groß zu überlegen, unterschrieb ich den Mietvertrag, ließ meinen Vertrag bei Otto auslaufen und machte Termine in verschiedenen Ämtern. Einer dieser Termine war unter anderem in der Arbeitsagentur. Für mich einer der schlimmsten Schritte, schließlich musste ich mich zunächst einmal als arbeitslos melden und das war wirklich kein schöner Moment. Viel schlimmer war allerdings, dass ich meine zuständige Betreuerin erst einmal von meiner Idee der Selbstständigkeit überzeugen musste. Sie sah direkt alles schwarz, machte mir wenig Hoffnung und war von der Idee der Selbstständigkeit als Fotografin überhaupt nicht begeistert. Allerdings stand auch ziemlich schnell fest, dass es für mich und meine Qualifikationen keinen anständigen Job in meiner Region gab. Somit galt ich als schwer vermittelbar und konnte letztendlich doch meine Selbstständigkeit in Angriff nehmen. Selbstverständlich wollte ich auch den Gründungszuschuss erhalten, hierfür musste ich also einen Businessplan verfassen.

Dank meines BWL Studiums hatte ich keinerlei Probleme mit dem Businessplan und allen dazugehörigen Kalkulationen. Schon nach einer Woche schickte ich meiner Betreuerin meinen fertigen Businessplan mit allen Zahlen und möglichen Szenarien. Allerdings war meine Betreuerin der Meinung, dass mir ein dreitägiges Gründungsseminar sicher guttun würde. Und so saß ich dann mit einer Friseurin und einem Maurer in einem Kabuff und durfte mir vorgelesene Definitionen anhören. Der Kurs war so schlecht, dass es mich nicht wundert, wenn Unternehmer, die vorher nie etwas von BWL gehört haben, mit ihrem Geschäft den Bach runtergehen. Die Folien veraltet (falsche Steuersätze, DM Preise etc.), eine Nullbock-Einstellung unter dem Motto „Wenn Sie das und das in den Businessplan schreiben, dann erhalten Sie bestimmt Ihre Förderung.“ Ich war wirklich schockiert, schließlich werden diese Kurse vom Staat subventioniert.

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich heute noch erfolgreich wäre, wenn ich nicht BWL studiert hätte. Ich wusste vom ersten Tag genau, wie meine Preise zu sein haben, damit ich überleben kann. Welche Kosten auf mich zukommen und wie viel ich mindestens erwirtschaften muss, um zahlungsfähig zu bleiben. Mein Businessplan hatte Hand und Fuß und mein Bestcase-Szenario hat sich nach einem Jahr bereits um nochmal 25% verbessert, worüber ich wahnsinnig stolz bin.

Leider muss ich sagen, dass es von Seiten der Arbeitsagentur kaum Unterstützung gab. Alles wurde schlechtgeredet, ohne das wirkliche Argumente vorgebracht werden konnten. Die Devise seitens meiner Agentur war „Das ist kein gutes Gewerbe, es ist auf dem absteigenden Ast, das wird doch nichts.“

Ich war jedoch ziemlich hartnäckig und bin der Dame wohl auch durch ständige Präsenz (3 Mal wöchentlich mindestens), sehr auf den Zeiger gegangen. Wahrscheinlich blieb ihr nichts anderes übrig, als meinen Antrag zu bewilligen, schließlich konnte sie mir auch keinen Job vermitteln. Meine Bewilligung kam innerhalb von 3 Wochen und auch das Geld war pünktlich auf meinem Konto. Nach 6 Monaten Gründungszuschuss beantragte ich dann noch die Verlängerung für die 2. Gründungsphase. Dieser Zuschuss wurde mir auch bewilligt. Im letzten Monat habe ich nun das letzte Mal meinen Gründungszuschuss erhalten. Ohne Gründungszuschuss hätte ich es wirklich schwer gehabt, gerade im ersten Jahr. Er hat mir dazu verholfen, dort zu stehen, wo ich heute bin. Und ich kann sagen, dass ich nun wirtschaftlich selbstständig bin, keine Bankschulden, Kredite oder ähnliches habe. Des Weiteren habe ich seit März 2016 jemanden auf Minijob-Basis eingestellt und möchte auch im nächsten Jahr ausbilden. Neben meinem Hauptgeschäft der Fotografie, habe ich zusätzlich noch eine Online Media Agentur gegründet, bei welcher ich mein Wissen als Marketing Managerin für die Region einsetze, um Unternehmen im Social Media Marketing zu helfen.

Ich bin also zum einen Fotografin aus Leidenschaft. Fotografiere hauptsächlich Hochzeiten, Kindergärten, Events, Schwangere und Babys und bin zusätzlich für Unternehmen als Beraterin im Social Media Bereich unterwegs. Wer jetzt glaubt, ich hätte keine Freizeit mehr, liegt falsch. Durch eine gute Organisation und ein funktionierendes Zeitmanagement habe ich sogar mehr Freizeit als in meinem Fulltimejob im Konzern.

 

Was ich Gründerinnen mitgeben möchte.

Glaubt an euch und eure Träume. Bei mir hätte auch niemand gedacht, dass ich von der Fotografie leben könnte. Schließlich hat doch mittlerweile jeder eine Kamera und ein gutes Smartphone. Ich habe allen gezeigt, dass es möglich ist. Bleibt hartnäckig und lasst euch eure Vision nicht schlechtreden. Vor allem nicht von einem Beamten der schon lange keine beruflichen Ziele und Wünsche hat. Bleibt jedoch auch realistisch. Greift auf angebotene Hilfe zurück. Ihr werdet nicht alles allein schaffen können und man kann auch nicht alles. Gebt Aufgaben, die ihr nicht bewältigen könnt oder die euch zu viel Zeit kosten ab. Sucht euch einen Steuerberater, einen Buchhalter oder auch einen Grafiker. Diese Menschen sind ihr Geld wert und ihr werdet davon profitieren. Wichtig ist auch, dass ihr euren Businessplan allein schreibt und es nicht als Last anseht. Es geht um eure Zukunft, um eure Existenz, kniet euch rein und beschäftigt euch bis zum geht nicht mehr mit dem, was ihr zukünftig machen wollt. Es bringt euch gar nichts, wenn irgendwer anders euren Businessplan schreibt. Macht euch auf Rückschläge gefasst, aber steckt nicht direkt den Kopf in den Sand.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Liebe Grüße,

Anett

 

Wer sehen möchte, was Anett so treibt, der findet alles zu ihrer Tätigkeit als Fotografin hier: http://www.anett-petrich.de und alles zu ihrer Tätigkeit als Online Media Beraterin hier: http://www.ap-media-usedom.de

Die nächste Gründungsgeschichte lest ihr in 2 Wochen! Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Bis dahin alles Liebe,

Deine Tanja

 

Foto © Anett Petrich

 

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Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper