12 Gründe, warum 90% beim Aufbau eines Online-Business scheitern.

In meinem Mitgliederbereich, dem she-preneur insider club, ist letztens eine Frage aufgetaucht (vielmehr wurde eine Diskussion gestartet), die mich nachhaltig beschäftigt hat. Und zwar ging es um folgende Aussagen:

„Mein Business läuft nicht.“

„Wie kriege ich mein Business zum Laufen?“

„Wie macht ihr das, wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr mit eurem Business nicht vorwärts kommt?“

In den darauffolgenden Tagen habe ich mich hingesetzt und mir überlegt, was denn die Hauptgründe dafür sind … Fehler, die Unternehmerinnen begehen, wenn sie ihr Online-Business starten … Fehler, die die meisten (angehenden) Online-Unternehmerinnen machen. Die Punkte sind dabei nicht nur für den Online-Bereich anwendbar, sondern eignen sich auch für alle Selbständige und Entrepreneure.

Deine Idee für dein Business ist klar, alles ist vorbereitet und eigentlich kann es losgehen – aber wie? Nur weil deine Webseite steht oder du Werbung geschaltet hast, bedeutet das nicht automatisch, dass du erfolgreich sein wirst. Denn es ist tatsächlich so, dass viele Selbstständige mit ihrem Business scheitern – sie können nicht von dem Leben, was sie tun.

Es gibt so viel zu beachten, du hast es aber selbst in deinen Händen. Und ich verrate dir jetzt, was notwendig ist, um dir ein erfolgreiches Business aufzubauen und welche Fehler du unbedingt vermeiden musst.

 

1. Die Geschäftsidee.

Lass es mich kurz und knapp zusammenfassen: Sie lieben nicht, was sie tun.

Die Aussage möchte ich dir gerne erklären. Viele machen sich selbstständig um der Selbstständigkeit willen. Sie machen vielleicht etwas, was sie gut können, können sich aber nicht mit dem Thema oder dem Kunden identifizieren. Schlussendlich fehlt dann die Leidenschaft und natürlich auch die Motivation.

Deine Arbeit muss nicht zwangsweise deine größte Leidenschaft sein, du solltest sie aber gerne machen und mögen. Andernfalls erschwert es deinen Arbeitsalltag erheblich, du kommst Morgens nicht aus dem Bett und bist Abends frustriert. Deine Geschäftsidee passt nicht zu dir, sie ist mit deinen Werten nicht im Einklang.

Außerdem musst du dir über deine Geschäftsidee im Allgemeinen Gedanken machen. Bedienst du eine Nische? Oder bist du zu breit aufgestellt, nicht wettbewerbsfähig und löst mit deiner Arbeit keine Probleme? Wird deine Idee am Markt überhaupt gebraucht?

Deine Geschäftsidee sollte sich in 1-2 Sätzen klar zusammenfassen lassen und aufzeigen, welches Problem du für deine Kunden löst. Hierfür eignet sich übrigens hervorragend ein Elevator Pitch, den ich dir im verlinkten Artikel erkläre.

Deine Kunden müssen bereit sein, für dich, für deine Idee, für die Lösung des Problems Geld auszugeben. Kurzum: Wem hilfst du, was zu tun, mit welchem Ergebnis?

 

2. Das Geschäftsmodell.

Kommen wir zum Geschäftsmodell: Hier geht es vor allem um die Produkte und die Preise. Ein häufiger Fehler, der mir begegnet, ist, dass nicht die richtigen Produkte angeboten werden oder die Preise entweder zu hoch oder zu niedrig sind. Der Kunde muss den Wert deines Angebots erkennen.

Entwickele deine Angebote idealerweise gemeinsam mit deinen Kunden, orientiere dich an ihnen. Teste, hole dir Feedback ein, optimiere Schritt für Schritt und passe deine Preise an. Es ist ein stetiger Prozess.

Als Beispiel möchte hier gerne meinen geschlossenen Memberbereich, den she-preneur insider club, noch einmal erwähnen. Ich habe ihn zusammen mit meinen Kundinnen entwickelt, wir sind gemeinsam gewachsen und ich konnte somit noch gezielter auf die Bedürfnisse meiner „shes“ eingehen. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Auch meine Mentoring-Programme sind durch und mit meinen Kunden entstanden.

Der Kunde kommt zuerst und dann erst das Angebot. Gewinne Selbstvertrauen in dich, dein Produkt / deine Dienstleistung und deine Preise.

 

3. Die Planung.

Viele denken, sie brauchen keine Planung. Andere wiederum machen einmal einen Plan und schauen ihn dann nie wieder an. Manche überprüfen ihren Plan vielleicht am Jahresende und merken, dass sie ihre Ziele überhaupt nicht erreicht haben.

Das Thema Planung ist ein ganz wichtiges Thema in deiner Selbstständigkeit! Dinge müssen langfristig geplant werden, da wir ansonsten nicht das erreichen, was eigentlich möglich wäre.

Mein Tipp: Plane einmal im Jahr groß und schaue, was du in diesem Jahr erreichen möchtest. Erstelle daraufhin deine Quartalsziele, die dazu da sind, deine Wünsche und Träume zu realisieren und dein Business voranzubringen. Deinen Jahresplan wiederum solltest du mindestens 2x im Jahr überprüfen und schauen, ob die Ziele, die du dir aufgeschrieben hast, noch passen oder ob du sie ändern musst.

Es geht darum einen Plan zu haben, um überhaupt einmal zu wissen, was man für die eigenen Ziele tun kann. Denn wenn man das nicht weiß, dann gelangt man nicht an sein Endziel.

Um deine Planung, deine Ziele, ansprechend zu visualisieren, empfehle ich dir übrigens das Erstellen von einem Vision Board.

 

4. Die Einzigartigkeit.

Was macht dich und dein Angebot einzigartig? Kannst du die Frage ganz spontan beantworten? Falls nicht, dann versuche mehr über dich und deine Persönlichkeit zu erfahren. Wer bist du, was sind deine Werte und wie kannst du das nach draußen kommunizieren?

Sei keine Kopie, nur weil das Original so vielversprechend scheint. Verfolge deine eigenen Ziele und nicht die der anderen. Nur so wirst du respektiert.

Deine Einzigartigkeit kannst du selbst und deine Persönlichkeit sein, was sich dann in deinem Branding (deine Werte, deine Sprache, deine Bilderwelten) widerspiegelt. Gerichtet an die richtigen Kunden und gekoppelt mit einer guten Nische.

Mit Authentizität und Ehrlichkeit sprichst du die Kunden an, die auch zu dir passen. Du machst dich unverwechselbar, verschaffst dir Gehör und positionierst dich somit als Expertin in deiner Nische. Dein Weg, dein Ziel.

 

5. Die Kommunikation.

Die Sichtbarkeit ist hier das Schlagwort. Wir alle müssen uns Sichtbarkeit verschaffen, damit die Kunden auch wissen, dass es uns und unser Business überhaupt gibt. Viele Faktoren treffen hier aufeinander, denn es reicht nicht nach Veröffentlichung der Webseite auf Aufträge zu warten.

Kenne deine Kunden. Das ist ein stetiger Entwicklungsprozess, mit der Zeit lernst du deine Kunden und ihre Probleme immer besser kennen. Nur so kannst du zielgerichtet kommunizieren.

Veröffentliche problemlösenden Content regelmässig (!), denn so baust du Vertrauen auf und der Kunde weiß genau, was er bei dir erwarten kann. Er weiß, dass du, das dein Angebot die Lösung für sein Problem ist. Setze dabei auf Qualität statt Quantität und plane den Content voraus.

 

6. Der Fokus.

Wir können nicht alles schaffen und die wahre Stärke liegt darin, sich auf das Wichtige zu fokussieren. Konzentriere dich auf eine Sache, bis sie funktioniert und verfolge dann erst die nächste Idee.

Sobald wir mehrere Aufgaben haben, die unsere Aufmerksamkeit brauchen, verlieren wir an Fokus und können die Dinge nicht mehr in der Qualität erledigen, die sie eigentlich benötigen würden.

Fokussiere dich auf die eine Sache und perfektioniere diese. Das baut Vertrauen bei deinen Kunden auf, da du strukturierter und klarer kommunizierst und nach außen auftrittst. Im Anschluss, wenn diese eine Sache funktioniert, kannst du dann neue Ideen verfolgen und dein Angebot weiter ausbauen.

Woran du erkennst, welche Aufgaben wirklich wichtig sind, erfährst du im verlinkten Artikel.

 

7. Der E-Mail-Funnel.

Du brauchst einen E-Mail-Funnel. Der E-Mail-Funnel ist Teil eines Sales-Funnels und kann auch als „E-Mail-Serie“ bezeichnet werden. Deine Webseiten-Besucher sollten zu Leads werden, das heißt, sie tragen sich in deinen E-Mail-Verteiler ein, in dem du dich um deine Leads kümmerst. Du teilst Mehrwert mit ihnen, gibst Informationen, hilfst ihnen weiter und weist sie nach und nach auf deine kostenpflichtigen Angebote hin.

Du erzählst ihnen, wie du weiterhelfen kannst ihre Ziele zu erreichen. Ein E-Mail-Funnel ist ein umfangreiches Thema, dass ich dir gerne ans Herz legen möchte. Oft kann man sich zwar in einen Newsletter eintragen, aber dann kommt nachfolgend überhaupt kein Newsletter mehr. Oder man bietet ein Freebie zum Download an, danach folgt aber keine weitere E-Mail-Serie, die für den Kunden relevant ist. Nur zwei Beispiele von vielen.

Über den E-Mail-Verteiler kümmerst du dich automatisch um die Leads, um die potenziellen Kunden, um aufzuzeigen, dass du die richtige Person für die Lösung des Problems bist.

 

8. Das Thema Launchen.

Manche Selbstständige schießen Challenges oder dergleichen aus der Hüfte, ohne Vorbereitung. Oder sie stellen ein automatisiertes Webinar oder eine Videoserie online, ohne die Dinge vorher umfangreich getestet zu haben. Das funktioniert nicht und schwächt auch deine Glaubwürdigkeit vor deiner Kundschaft.

Lerne zuerst deine Kunden live kennen und finde heraus, was sie wollen und wie du Mehrwert lieferst. Denn grundsätzlich wollen Leute nichts kaufen. Das ist erst einmal ein Fakt. Du musst es schaffen, das Interesse für dein Angebot zu wecken.

Webinare und Challenges müssen gut geplant und vorbereitet werden. Was möchtest du wie und wann erreichen? Wie viele Teilnehmer möchtest du haben? Wie soll die Anmeldeseite aussehen? Und funktioniert die Technik? All diese Fragen inkl. der Dinge, die du davor, währenddessen und danach anbietest, sollten bereits einige Zeit vor dem eigentlichen Tag X fertiggestellt sein, damit du dich nach dem Launch gezielt deinen Kundenanfragen widmen kannst.

Bereits vor einem Launch musst du Stück für Stück das Interesse wecken, um dem potenziellen Teilnehmer zu zeigen, dass er das Angebot braucht. Lerne zu launchen, dann lernst du auch zu verkaufen. Und danach kannst du es automatisieren.


In meiner aktuellen Masterclass erfährst du übrigens, wie ich mir als leise Unternehmerin in nur 15 Monaten ein nachhaltig profitables Online-Business aufbaute und wie du das auch schaffen kannst – Schritt für Schritt. Zur Anmeldung geht’s  >>HIER<<  entlang.


 

9. Alles alleine versuchen.

Ein Fehler, den auch ich gemacht habe. Ich habe gedacht, dass ich das alles alleine schaffen kann. Kann ich aber nicht. Und wenn ich das nicht kann, dann kannst du das auch nicht. Wir alle brauchen Unterstützung … Jemanden, der uns zeigt wie es geht, der uns zeigt was möglich ist und der uns pusht.

Das alles kann in Form von Coachings passieren, es können Mastermind-Gruppen sein oder auch Tools – alles Dinge, die ein wichtiges Investment darstellen und wofür du bereit sein solltest, Geld auszugeben. Investiere in Sachen und Menschen, die dir Zeit und Arbeit ersparen, damit du dich gezielt deinen Kunden widmen kannst und nicht den Kopf voller anderer Gedanken haben musst.

An welcher Stelle kannst du jetzt investieren und was ist das Sinnvollste, das dich ein Stück weiterbringt?

 

10. Das Mindset.

Einer der häufigsten Fehler, der mir im Laufe meiner Arbeit begegnet ist. Es geht um die gesamte innere Einstellung, denn die bestimmt den Erfolg deines Business. Denkst du klein oder denkst du groß, hast du ein kleines Mindset oder hast du ein großes Mindset?

Welche Verhaltensweisen sind förderlich, welche eher hinderlich? Denke groß und passe deine Verhaltensweisen an. Zu wenig Pausen, zu wenig Ruhe … das sind alles Dinge, die in dein Mindset mit hineingehören.

Investieren ist auch etwas, was dein Mindset betrifft. Ich zum Beispiel investiere, weil ich weiß, dass ich danach viel mehr rausbekomme, wenn ich es umsetze. Ich bin bereit, für mein Mindset, für mein Business etwas zu tun. Dazu gehört Eigenverantwortung und 100%iges Engagement.

Auch das Thema Gleichgesinnte gehört mit dazu. Kooperationspartner oder Kollegen, die auf einem ähnlichen Level sind, sind Gold wert. Der Austausch zeigt dir, was möglich ist und wo du dein Mindset verbessern kannst. Die gemeinsame Zeit dient dir als Inspiration und zum Tanken von neuer Energie.

Überwinde deine Ängste und zerdenke Dinge nicht bis ins Unendliche. Triff Entscheidungen, probiere aus und mach einfach. Schließlich könnte es ja auch gut werden! Die Komfortzone vergrößert sich von Mal zu Mal und du wirst immer erfolgreicher.

 

11. Unrealistische Erwartungen.

Die meisten haben beim Schritt in die Selbstständigkeit unrealistische Erwartungen. Sie denken, dass das erste Webinar perfekt sein muss, dass sich Erfolge sehr schnell einstellen und dass sich utopische Einkommensziele im ersten Jahr realisieren lassen.

Sie sind nicht bereit von „Null“ anzufangen und nachhaltig zu wachsen. Das frustriert und lässt viele bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Anstatt einfach zu schauen, was man falsch macht, wo man liegt und an welchen Stellen man nachjustieren muss. Gegebenenfalls zusammen mit jemandem, der sich auskennt.

 

12. Neues Lernen.

Das ist ein Tipp von Catherina, den sie mir während meines Facebook-Live-Videos in die Kommentare geschrieben hat. Oft fehlt die Bereitschaft Neues dazulernen zu wollen, auch wenn man Aufgaben abgibt und delegiert.

Die Selbständigkeit ist ein Teil des Lebens, in der man nie aufhört zu lernen. Dinge ändern sich, Vorschriften werden überarbeitet, neue Bedingungen gestellt. Wir müssen kontinuierlich dazulernen und uns den Gegebenheiten anpassen. Stillstand ist Rückschritt. Sei offen für neues Wissen.

 

In welchen Punkten findest du dich wieder? Verrate es mir gern in den Kommentaren. 

 

Alles liebe,

Deine Tanja

 

PS: Du willst mehr über die Person hinter she-preneur erfahren? Dann schau hier vorbei.

PPS: Vernetzte dich mit mir und anderen Gründerinnen und selbstständigen Frauen in unserer geschlossenen she-preneur Community auf Facebook.

 

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Sarah Brodacz.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Sarah Brodacz. Vielen Dank liebe Sarah, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Sarah Brodacz, Dolmetscherin und Übersetzerin. In 2010 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Mein Name ist Sarah Brodacz, ich bin 34 Jahre alt und lebe und arbeite in Bramsche im südlichen Niedersachsen.

Ich habe mich im Frühjahr 2010 mit dem Gründungszuschuss als Dolmetscherin und Übersetzerin selbständig gemacht.

Mein Studium zur Diplom-Dolmetscherin für Englisch und Französisch habe ich im Juni 2007 an der Uni Leipzig abgeschlossen. Bereits neben dem Studium konnte ich in einem Übersetzungsbüro erste Erfahrungen als Korrekturleserin, Dolmetscherin und Übersetzerin sammeln, und ich hatte das Glück, mit dem Abschluss in der Tasche dort direkt eine Festanstellung zu bekommen. Ich blieb 2,5 Jahre.

Seit dem Studium hatte ich immer wieder darüber nachgedacht, mich selbständig zu machen. Als es dann im Übersetzungsbüro eine Auftragsflaute gab, war ich entsprechend über die betriebsbedingte Kündigung im Januar 2010 auch nicht allzu traurig.

Es war ganz klar, dass ich weiterhin übersetzen und dolmetschen wollte. Durch die Arbeit im Übersetzungsbüro konnte ich Erfahrungen mit der „richtigen“ Arbeit sammeln und zum anderen auch ansonsten sehen, wie der Hase in der Praxis läuft. Bedenken und Ängste hatte ich hinsichtlich der Selbständigkeit kaum, ich war mir relativ sicher, dass es schon irgendwie gehen würde. Bereits vor einiger Zeit hatte ich mir Unterstützung durch eine Unternehmensberaterin geholt. Zunächst haben wir vor allem Gespräche geführt, in denen es neben den wirtschaftlichen Grundlagen auch um meine ganz persönlichen Voraussetzungen ging. Nicht jeder ist ja für eine Selbständigkeit gemacht. Zudem absolvierte ich ein Existenzgründerseminar, was damals Pflicht war, um den Gründungszuschuss zu beantragen, so dass ich mich sehr gut vorbereitet fühlte – sowohl auf die Vorteile der Selbständigkeit als auch auf die Schwierigkeiten, die es in den ersten Jahren sicherlich geben könnte. Die Unternehmensberaterin hat mir auch bei der Erstellung des Business Plans sehr geholfen, vor allem in Bezug auf die Zahlen. Ich fand es schwer, genau zu beziffern, wie es wohl laufen könnte. Hinsichtlich potenzieller Kunden konnte ich aber bereits sagen, dass mir zum einen das Übersetzungsbüro zugesagt hatte, wenn es wieder besser läuft, auch auf freiberuflicher Basis mit mir arbeiten zu wollen, und ich zum anderen gute Kontakte hatte, über die ich möglicherweise Aufträge würde bekommen können.

Ich wollte für die Übergangszeit wieder bei meinen Eltern einziehen, so dass ich mich dort bei der Agentur für Arbeit in Osnabrück vorstellen musste. Zum Glück fand ich mich einem Berater gegenüber, der mich ebenfalls in meinem Vorhaben unterstützte. Von Anfang an hieß es, dass ich so sicher auftrete, dass das mit der Selbständigkeit wohl auf festen Füßen stehe und man mich entsprechend mit Bewerbungsangeboten in Ruhe lassen würde. Hier habe ich dann auch den Antrag auf den Gründungszuschuss bekommen; das war Anfang Februar.

Zum 15. März 2010 habe ich, nachdem ich noch mit einem Steuerberater Rücksprache gehalten habe, meine Selbständigkeit angemeldet – ich war sehr gespannt, wie es losgehen würde. Die Zusage für den Gründungszuschuss kam Ende April.

Dank meines vorherigen Arbeitgebers und vor allem über Freunde und Bekannte, die in Firmen arbeiten, in denen es für meine Sprachen (Englisch und Französisch) Übersetzungsbedarf gibt und bei denen ich mich gemeldet hatte, hatte ich von Anfang an sehr wenig Leerlauf und gut zu tun. Nach einem knappen halben Jahr zog ich in eine eigene Wohnung. Ein Raum ist ausschließlich Büro, denn da ich von zu Hause aus arbeite, wollte ich von Beginn an einen separaten Bereich zum Arbeiten haben. Im ersten Jahr habe ich mich noch nicht so sehr an feste Arbeitszeiten gehalten, sondern immer wieder auch tagsüber Freunde getroffen oder Termine gemacht. Dann habe ich aber gemerkt, dass es mir nicht so gut bekommt, wenn Arbeit und Freizeit nicht klar getrennt sind. Daher habe ich mittlerweile eine Kernarbeitszeit, an die ich mich zumeist halte. Zum Teil war es gar nicht so leicht, das auch allen anderen verständlich zu machen.

Während viele Sorge haben, dass sie bei der Arbeit von zu Hause gar nicht richtig den Hintern hoch kriegen und sich zu leicht von anderen Dingen ablenken lassen würden, besteht bei mir immer das Risiko, zu viel zu arbeiten. Das hat aber sicher auch damit zu tun, dass ich meine Arbeit einfach sehr gerne mache. Seit Beginn meiner Selbständigkeit kann ich nun nach sechs Jahren sagen, dass ich insgesamt vielleicht maximal zwei Wochen lang keine Aufträge hatte. Das ist ein ziemlicher Glücksfall, ich weiß, dass es nicht bei allen so gut anläuft. Akquise habe ich scheinbar immer in den richtigen Momenten gemacht, immer wenn irgendwo gerade Not am Mann war. Die Anmeldung beim Berufsverband, in Online-Netzwerken oder auch mein Eintrag in den Gelben Seiten haben fast unmittelbar zu neuen Kontakten und Aufträgen geführt.

Seit einem knappen Jahr habe ich neben der Selbständigkeit eine halbe feste Stelle, die mir aus dem Nichts heraus angeboten wurde, auch als Übersetzerin, und ich kann die Arbeit genau wie die andere Arbeit von zu Hause aus erledigen. Natürlich bekomme ich dadurch einen Teil der Sicherheit einer Festanstellung, nicht zuletzt bezahlten Urlaub. Ich habe mich immer sehr schwer getan, wirklich Urlaub zu nehmen. Immer kam gerade dann, wenn ich ein paar freie Tage geplant hatte, ein lukrativer oder besonders spannender Auftrag rein, den ich dann nicht absagen wollte. Das war lange eine große Herausforderung für mich: Anfragen abzulehnen, weil die Kapazitäten ausgeschöpft waren. Zu Beginn ist klar, dass man auch unschöne Arbeitszeiten in den Abenden oder an Wochenenden in Kauf nimmt, aber irgendwann darf (und muss und sollte) man sich das Recht herausnehmen, Grenzen zu ziehen und nicht mehr alles zu machen. Erfahrungsgemäß kommen Kunden trotzdem wieder, wenn sie von der Arbeit überzeugt sind, oder sie fragen direkt, innerhalb welcher Frist man es denn schaffen könnte.

Mein Fazit nach sechs Jahren ist, dass ich den Schritt in die Selbständigkeit nie bereut habe. Natürlich bin ich „selbst und ständig“, wie es so schön heißt, und das wird sich vermutlich nie ändern. Aber die viele Arbeit hat sich ausgezahlt, nicht zuletzt in der Form von Erfahrung. Nach wie vor liebe ich die Abwechslung, denn ich weiß nie, was als nächstes kommt. Ich habe gelernt, was ich kann und genau das auch nach außen zu vertreten und zu „verkaufen“. Ich habe gelernt, Nein zu sagen, wenn eine zeitliche oder Belastbarkeitsgrenze erreicht ist. Ich kann sehr gut sagen, wenn etwas nicht in mein Fachgebiet fällt – denn auch das wissen die Kunden zu schätzen. Nach all der Zeit habe ich nun die Freiheit, mir die Rosinen unter den Kunden herauszupicken, d.h. diejenigen, die am besten bezahlen und die interessantesten Aufträge schicken.

„Nichts, das sich zu haben lohnt, fällt einem in den Schoß“ ist ein Zitat aus der Serie Scrubs. Das fällt mir ein, wenn ich kurz zusammenfassen müsste, was Selbständigkeit bedeutet. Ich würde in jedem Fall empfehlen, eine gewisse zeitliche und räumliche Trennung zwischen Arbeit und Privatem zu praktizieren, aber das ist sicher neben der eigenen Persönlichkeit auch vom Job abhängig. Selbständig zu sein ist nicht leicht – ich bin selbst für alles verantwortlich und zuständig, aber wenn man die eigentliche Arbeit wirklich gern macht, lohnt sich alle Anstrengung. Alle Arbeit mache ich für mich – alles, was ich mache, und auch alles, was ich nicht mache. Nicht zuletzt ist es schön, wenn Kunden immer wieder kommen und einem somit bestätigen, dass man seine Sache gut macht.

Viel Erfolg!

Eure Sarah!

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂 Mehr über Sarah und ihre Arbeit als Übersetzerin erfährst Du auf www.sprachfreund.de Gerade ist zudem Sarahs Blog online gegangen: www.fraeuleinkokolores.de

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

Foto © Romy Geßner

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Michaela Naumann.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Michaela Naumann. Vielen Dank liebe Michaela, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Michaela Naumann, systemischer Coach und freie Referentin. In 2010 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Hallo! Mein Name ist Michaela Naumann, ich bin 39 Jahre alt und seit 2010 mit everybody’s public – Coaching & Kommunikation in Mainz selbstständig.

Ursprünglich aus der PR kommend, arbeite ich heute überwiegend als systemischer Coach und freie Referentin oder anders gesagt: Ich bin Perspektivenlotsin, Ideenstifterin, Impulsgeberin und Motivatorin.

Wie war mein Weg in die Selbstständigkeit? Angefangen hat das natürlich schon viel früher … 1977 als echte ‚Meenzerin’ geboren, bescheinigte man mir bereits in der Grundschule einen großen Wortschatz. Damit war nicht nur meine kindliche Eloquenz, sondern auch mein Temperament gemeint. Kein Wunder, dass ich Neuere deutsche Literatur & Medien sowie Kunstgeschichte studiert habe und immer wieder in den Bereichen Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Organisation landete.

Nach meinem Studienabschluss habe ich mich für eine Promotion entschieden – und parallel für ein Volontariat in einer PR-Agentur. Gerade das abwechslungsreiche Arbeiten auf Agenturseite sowie die spannenden Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen haben mich früh begeistert und geprägt. Der große Schritt in das Abenteuer Selbstständigkeit war die logische Konsequenz und die Erfüllung eines lange gehegten Traums.

Im Sommer 2009 reifte der Plan für die Selbstständigkeit. Eine ehemalige Kollegin und gute Freundin war bereit, sich gemeinsam mit mir den Herausforderungen zu stellen. Wir haben uns früh informiert, Kurse für Existenzgründer bei der IHK besucht, Beratungsgespräche geführt, mit anderen Gründern gesprochen, recherchiert und viel gelesen. 2010 schieden wir beide aus unseren bisherigen Angestelltenverhältnissen aus und wandten uns an die Agentur für Arbeit. Mit den üblichen Bedenken und Gerüchten im Hinterkopf, habe ich mich meiner Beraterin vorgestellt und ihr direkt meinen Plan unterbreitet, mich selbstständig machen zu wollen. Ich muss sagen, ich hatte Glück und eine wunderbare Ansprechpartnerin, die unserem Vorhaben positiv und unterstützend entgegensah. Ich konnte ganz ehrlich mit ihr sprechen, musste keine Bewerbungen schreiben oder weitere Vorbereitungskurse besuchen, die wir bereits aus eigenem Antrieb absolviert hatten.

Wir hatten uns lange vorbereitet, einen Businessplan verfasst, einen Unternehmensberater hinzugezogen (eine weniger glückliche Erfahrung), uns informiert und konnten unsere Idee einer PR-Agentur mit Textwerkstatt gut darlegen. Entsprechend waren Arbeitslosenmeldung, Beantragung des Gründungszuschusses und selbst der geplante Umzug zurück nach Mainz unproblematisch. Unsere Unterlagen wurden flink bearbeitet, der Gründungszuschuss bewilligt und auch in der zweiten Runde verlängert.

Letztlich starteten wir im Sommer 2010 und stellten fest, dass sich trotz Vorbereitung viele Tage anfühlten wie ein Ausflug auf einen Abenteuerspielplatz. Zudem mussten wir feststellen, dass sich die Vorstellung und die Realität von Selbstständigkeit nicht decken müssen. 2012 haben wir uns getrennt – meine Partnerin ist zurück ins Angestelltenverhältnis und ich habe mich erneut bewusst für die Selbstständigkeit entschieden.

Für mich war das ein noch einmal ein Neustart: Ich habe eine systemische Coachingausbildung begonnen, meinen Train-the-Trainer absolviert und mich in Weiterbildungen geworfen. Dadurch hat sich mein Portfolio massiv verschoben und ich musste mich in meiner Selbstständigkeit neu orientieren und organisieren. Seit einem knappen Jahr habe ich auch noch eine halbe Projektstelle angenommen und arbeite als Studentencoach für die Handwerkskammer. Hier coache ich StudienabbrecherInnen und baue ein Netzwerk mit Kollegen auf.

Und heute? Aus der PR-Agentur mit Textwerkstatt ist ein Ideenbeet geworden. Als Perspektivenlotsin, Ideenstifterin und Projekt-Mary-Poppins höre ich zu, frage nach, motiviere, entwickle Ideen, finde Lösungen… Ich coache Menschen in Veränderungssituationen, nehme Lehr- und Dozentenaufträge wahr, moderiere Veranstaltungen, berate zu PR- und Kommunikationsthemen, unterrichte in der Erwachsenenweiterbildung und gebe Workshops zu Themen, wie Präsentation, Selbstpositionierung, Visualisierung oder Kreativitätstechniken.

Verbindende Elemente meiner Portfoliotätigkeiten sind Kommunikation, Kreativität, Motivation und Entwicklung. Hinzu kommt eine große Portion Humor, gepaart mit Empathie und Leichtigkeit sowie ein großer Fundus an Bildern und Geschichten aus Literatur, Film und Kunst, die nicht zuletzt meinem Studium geschuldet sind.

In den letzten Jahren habe ich immer wieder meine Komfortzone verlassen und Neues gewagt, verwegen Ja zu ersten Aufträgen in neuen Gebieten gesagt, mit aufsteigender Panik gekämpft, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, aus Fehlern gelernt, auch mal schlaflose Nächte verbracht, bin meinen Interessen gefolgt und habe mich weiterentwickelt – und am Ende würde ich es immer wieder so machen!

Mein größter Luxus: Ich habe Spaß an meiner Arbeit!

 

Was würdest Du jungen Gründerinnen gern mit auf den Weg geben?

  • Spaß haben, authentisch sein und die eigene Entwicklung genießen.
  • Ängste aushalten können.
  • Sich nicht mädchenhaft für Honorare entschuldigen.
  • Dranbleiben und auch mal charmant die Zähne zeigen.
  • Sich treu bleiben und Zeit geben.
  • Mit den eigenen Kräften haushalten.
  • Sich Verbündete suchen, mit denen man sich ganz ehrlich austauschen kann.
  • Bei gemeinsamen Gründungen schon zu Beginn einen Vertrag für den Fall der Trennung aufsetzen, dann trennt man sich auch mit Anstand.

 

Viel Erfolg!

Eure Michi

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂

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Alles Liebe,

Deine Tanja

Foto © Maya Meiners photographie

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Elisabeth Weigel.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Elisabeth Weigel. Vielen Dank liebe Elisabeth, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Elisabeth Weigel, Suchspezialistin für Sichtbarkeit im Internet. Im Januar 2014 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Hallo, mein Name ist Elisabeth Weigel, 32 Jahre alt. Ich bin ein Nerd, und stolz darauf. Ich habe mich immer dafür interessiert, was die Welt im Innersten zusammenhält und wie man es am besten erklärt. Denn was nutzt Wissen, wenn man es nicht teilen kann? Zunächst habe ich in Deutschland Physik studiert, dann zog das Fernweh mich zur Promotion nach Singapur. Vier Jahre später, 2011, brachte mein Heimweh mich zurück nach München, meiner neuen Wahl-Heimat. Weil die wissenschaftliche Karriere für mich zu unsicher war, habe ich mir einen „echten“ Job gesucht in der Finanzbranche. Dort werden Physiker sehr gerne genommen. Und gut bezahlt. Ob man mit Physikzahlen oder Finanzzahlen jongliert macht wenig Unterschied. Dachte ich mir. Und in der Tat: Meine Fähigkeiten waren kein Problem. Aber das Herz machte nicht mit. Der Verstand sagte: Gut bezahlter Job, sicherer Arbeitsvertrag, nette Kollegen. Mein Herz sagte: Keine Herausforderung, kein Produkt, welches ich herstelle, sondern nur Zahlen, dich ich durch die Gegend schubse. Keine Bedeutung. Nichts, was die Welt verbessert. Will ich das wirklich bis zum Ende meines Lebens machen?

Nein, ich fühlte mich zu jung, suchte eine neue Herausforderung. Ein Wechsel innerhalb der Finanzbranche hat die Sache nicht besser gemacht. Mehr Geld, mehr Stress, noch weniger Zufriedenheit. Mittlerweile war ich auch schon ein Jahr mit der Liebe meines Lebens zusammen. Ein Jahr, das war immer die magische Grenze, bei der Beziehungen bei mir sonst immer auseinander brachen. Wir wussten, wir wollen heiraten und Kinder bekommen. Gleichzeitig wurde ich mangels Leidenschaft für meinen Job innerhalb der Probezeit gekündigt. Ich war erleichtert. Gleichzeitig hatte ich das Problem dass ich eine neuen Job brauchte und schwanger werden wollte. Nachdem ich mir zweimal einen Job gesucht hatte, der nicht passte, war ich unsicher wer ich bin und was ich tun will. Das erschwert das Schreiben von Bewerbungen ungemein. Außerdem wollte ich nicht als erstes in einer neuen Firma schwanger werden. Interessanterweise hatte ein guter Freund, der mich mit meinem Ehemann verkuppelt hat, gerade ähnliche Probleme, und wollte sich selbstständig machen. Als Online Marketing Consultant. Alles was man braucht um im Internet sichtbar zu sein. Das fand ich interessant. Computer sind meine Stärke, da war ein sinnvolles Produkt (Leuten mit dem Internetauftritt ihrer Firma helfen) greifbar.

Die Selbstständigkeit hat mir erlaubt Arbeit mit Familie zu vereinbaren. Ich konnte problemlos meine erste Tochter im Juli 2014 bekommen und nebenbei weiter meine Firma aufbauen, genau so viel arbeiten wie es halt ging. Ohne mich gegenüber jemand anders zu rechtfertigen. Außerdem konnte ich viele verschiedene Produkte ausprobieren, herausfinden was genau ich machen möchte. So schnell hätte ich mich persönlich als Angestellte nie entwickeln können. Und ich hatte endlich Kontakt zu meinen Kunden. In der Finanzbranche sass ich nur am Computer. Kundengespräche zu führen musste ich erst lernen, aber es hat mich wieder persönlich unheimlich weit gebracht. Wissen, was für den einzelnen Menschen wichtig ist. Ein Danke zu hören, das Gefühl jemanden geholfen zu haben. Es gibt kaum etwas schöneres. Je besser das Feedback war, desto mehr wusste ich dass diese Tätigkeit Sinn macht.

Bedenken hatte ich natürlich viele. Wie akquiriert man Kunden? Steuern, Rechtsform, Abrechnungen, die ganze Buchführung. Nie zuvor gemacht. Preise für die eigene Dienstleistung finden. Wie geht das denn? Zum Glück hatte mein Geschäftspartner schon einige erfolgreiche eigene Firmen geführt, und diesen Teil für uns übernommen. Und die ganz große Frage: Bekomme ich den Gründungszuschuss? Da hatte ich schon Angst. Auch hier lief alles ganz einfach bei mir. Mein Berater beim Arbeitsamt sah meinen Lebenslauf: Theoretische Physikerin. Lebensfremd. Hat einmal in seiner Datenbank nachgeschaut: Keine Stellen für Physiker ausgeschrieben. Na dann sei ich wohl nicht vermittelbar und solle mal meine Pläne zur Selbstständigkeit ausarbeiten. Dass ich zum Zeitpunkt des Gespräches schon schwanger war hatte ich nicht erwähnt. Gleich im ersten Gespräch wurden mir die Unterlagen zur Beantragung des Gründungszuschusses gegeben.

Mein Geschäftspartner hatte weniger Glück. Als gelernter Kaufmann gab es jede Menge offene Stellen, auf die er sich hätte bewerben können, und bekam nicht die Gelegenheit sich zu bewerben. Obwohl wir dieselbe Firma gründen wollten.

Als nächstes musste ich den Business Plan erstellen. Wieder hatte ich den Vorteil dass mein Geschäftspartner ähnliches schon mal gemacht hatte und ich zahlen- und computerbegeistert bin. Wir brauchten auch kein Startkapital. Computer und Internet, viel mehr war nicht nötig. Auf eigene Büroräume haben wir anfangs verzichtet, das spart viel Geld ein. Den Antrag musste ich noch von einer externen Agentur prüfen lassen, das ging auch unkompliziert. Und nach einer Wartezeit von ca. 2 Monaten war er auch bewilligt, ich war seit 01.01.2014 selbstständig. Bis Juni habe ich dann Gründungszuschuss bekommen, ab Juli war ich im Mutterschutz und habe anschließend Elterngeld bekommen. Zwar konnte ich wegen Schwangerschaft und Geburt und anschließend Stillen weniger Arbeiten, dafür kamen durch die Sozialleistungen aber auch Geld rein.

Um mit dem Thema schlaflose Nächte und Windeln wechseln möglichst schnell durch zu sein, haben mein Mann und ich das zweite Kind gleich hinterhergeschoben. Februar 2016 habe ich meine zweite Tochter zur Welt gebracht. Das sind schon anstrengende Tage zur Zeit, aber machbar. Meine Kunden wussten alle von meiner Schwangerschaft, und es war kein Problem sich auf meinen Arbeitsrhythmus einzustellen. Das war ein sehr schönes Gefühl. Ich vermute so unkompliziert liefe es in einer großen Firma nicht, wenn ein Chef der Meinung ist ich sei jetzt nicht mehr zuverlässig verfügbar.

Nach zweieinhalb Jahren Selbstständigkeit kann ich sagen: Es gefällt mir. Ich habe mich als Mensch stark entwickelt. Ich bin selbstbewusster, weil ich gelernt habe dass ich Probleme alleine lösen kann. Auch Gründen und Kinder bekommen ist nicht unmöglich. Es geht alles ein wenig langsamer, aber anfangs haben die meisten eh wenig Aufträge. Frau darf auch bis zu 30 Stunden die Woche arbeiten und trotzdem Elterngeld bekommen. Die Kommunikation mit der Krankenkasse war nervtötend, aber na gut, das gehört dazu. Zur Zeit habe ich zwar defacto keine Freizeit, fühle mich aber auf dem richtigen Weg.

Das Portfolio meiner Firma habe ich entsprechend meiner Interessen und Kundenfeedback geändert. Bemerkenswerterweise bekommen die Sachen, die mir am meisten Spass machen, auch das beste Feedback. Für mich mit der beste Grund, sich selbstständig zu machen: Sich auf seine Stärken konzentrieren zu können. Da ich gerne verstehe und lehre, werde ich Erklärdienste rund ums Internet anbieten. Dazu gehören sowohl „SEO Seminare für den Großraum München“ als auch „Erklärung der Websitedaten“.

Was läuft gut, wo könnte es besser sein und was geht gar nicht? Diese Zahlen sind einfach verfügbar, aber wenigen macht es Freude sich damit auseinander zu setzen. Zahlen lügen nicht – aber sie drücken sich verdammt schlecht aus. Und helfen mit benutzerfreundlichen Berichten. Kurz und übersichtlich. Da meine Töchter gut beim Vater aufgehoben sind, kann ich wieder ganztags Seminare geben. Da ich leider nicht jede Nacht tief und fest schlafe, hänge ich mit dem Programmieren meiner Auswertungssoftware meinem eigenen Zeitplan hinterher. Aber na gut, eines nach dem anderen. Die Idee der Software will ich aber trotzdem teilen. Es wird kommen!

Zwischendurch gab es auf einem MomPreneur Treffen in München noch eine andere, wichtige Idee. Selbstständige Kleinunternehmer besser zu vernetzen. Zum Beispiel gezielt mit anderen Müttern zusammenarbeiten. Oder gezielt nach Produkten suchen, die in irgendeiner Weise fair produziert worden sind. Solche ganz besonderen Nischenprodukte sind schwer im Internet zu finden. Auf den großen Marktplätzen wie eBay oder Amazon gehen sie in der Masse der kommerziellen Anbieter unter. Auch neue Produkte, die alte Probleme lösen, sind im Internet schwer zu finden, weil danach nur schwer gesucht werden kann, wenn man den Namen der Lösung noch nicht kennt. All dieses soll auf einem Portal verbessert werden. Auch da bin ich noch nicht fertig, aber Januar 2017 soll es live gehen, das ist ja schon bald.

 

Was ich anderen Gründerinnen mitgeben möchte:

Tut es! Lebt Euren Traum. Das Leben ist zu kurz, um die Träume Eurer Arbeitgeber zu realisieren.

Ich persönlich träume vom Internet der Vielfalt. Dass sich jeder mit seiner oder ihrer ganz eigenen tollen Idee Selbstständig machen kann. Mit leidenschaftlichen Menschen im Alltag zusammenarbeiten, anstelle von frustrierten Angestellten, die ihren Arbeitstag absitzen und wo immer alles unmöglich ist. Macht und Geld fairer in der Bevölkerung verteilen. Leider wird das Internet immer gleichförmiger. Es wird kopiert, was erfolgreich ist, und so geht auch hier Individualität verloren. Aber das werde ich nicht akzeptieren, hier kämpfe ich. Auch für meine Töchter. Welche Zukunft wollt Ihr Euren Kindern hinterlassen?

Viel Erfolg!

Eure Elisabeth

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂

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Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Isabell Prophet.

Heute liest Du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Isabell Prophet. Vielen Dank liebe Isabell, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich Dir diesen Artikel zu lesen.

 

Isabell Prophet, Social Media Expertin und Autorin. Im Februar 2015 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

Sucht euch einen Gründungsberater, das ist der wichtigste Rat, den ich euch geben kann. Meiner bereitete mich auf alles vor, was da bürokratisch auf mich zu kam. Ganz schön hart war es manchmal trotzdem. Ich habe mich im Februar 2015 selbstständig gemacht, da war ich 28 Jahre alt, hatte gerade die Henri-Nannen-Schule hinter mir und einige Monate bei Spiegel Online gearbeitet.

 

Der Gründungszuschuss erreichte mich erst im Mai.

Arbeitssuchend gemeldet war ich überpünktlich, in Hamburg lässt sich das einfach online erledigen. Ich notierte schon im Portal, dass ich mich selbstständig machen will. So war meine Beraterin direkt gebrieft. Ich zog mich hübsch an, Jeans und Blazer, und stand irrsinnig nervös in der Agentur für Arbeit, Altona.

Das war der einfache Teil. Ich hielt einen kleinen Vortrag über potentielle Auftraggeber und das ich mich nach der Journalistenschule gern selbstständig machen wollte. Ich wollte wissen, ob ich es kann, ob ich das schaffe. Ich hatte Lust auf die Buchführung, die Auftragsjagd, die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen kennen zu lernen. Eine Redakteursstelle erschien mir nett, aber wie ein Lebensmodell für Ältere. Ich wollte mich selbst herausfordern.

 

Ich hatte einen Plan.

Meine Beraterin – ungefähr mein Alter, sehr ruhig, sehr nett – bekam irgendwann leicht glasige Augen von meinem Gerede, guckte sich meinen Lebenslauf an und erklärte mir, eine Vermittlung würde in meinem Fall sowieso keinen Sinn machen. Ich sollte vor der Selbstständigkeit gern ein paar Wochen Pause gönnen und das Arbeitslosengeld zur Vorbereitung nutzen. Sie setzte irgendeinen Haken im System, so bekam ich keine Angebote samt Drohbrief, die ich nervenkriegerisch ausschlagen müsste.

Eine Freundin von mir, immerhin Crime-Reporterin, sollte übrigens ins südniedersächsische Gebirge, um dort Texte ins Internet zu kopieren. So etwas hängt vom Arbeitsamt ab. Mein Tipp: Nerven behalten. Einen netten Brief schreiben – da arbeiten ganz normale Menschen. Und hart bleiben. Ihr habt einen Plan.

Achja, der Plan: Meine Betreuerin in der Agentur für Arbeit trug mir auf, mich im Businessplan kurz zu fassen, vier-fünf Seiten wollte sie haben, dazu einen Zahlenteil. Mein Gründungsberater hatte mir dazu zwei Dateien überreicht – eine Gliederung und eine Tabelle – die ich nur noch ausfüllen musste. Das war schwer genug. Ich erzählte ganz viel von Kolumnen und Kontakten und dass ich etwas ganz Besonderes bin.

 

Geld? Später.

Mein Finanzteil kommt mir heute wie ein irres Fantasiegebilde vor. Es kam alles anders. Eine gute Idee war es trotzdem, ihn einmal aufzustellen. Ich machte mir einen Plan und sah, wie viel ich wann wirklich arbeiten müsste – und welche Honorare einfach gar nicht gehen. Verkauf dich ja nicht unter Wert, das sagte mir meine Excel-Tabelle ganz deutlich. Freier Journalismus braucht einen Kickstart. Wer langsam anfängt, der bekommt nach drei Monaten ein Geldproblem.

Ich hatte nach drei Monaten ein so übles Geldproblem, dass ich heulend in einer sehr großen Redaktion am Schreibtisch saß und eine Kollegin mir etwas ratlos die Schulter tätschelte. Ich hatte mir empfehlen lassen, mich schon zur Zeit der Arbeitslosigkeit beim Finanzamt selbstständig zu melden – das fand das Finanzamt gar nicht cool. Ich musste mich neu anmelden, der ganze Prozess verzögerte sich um weitere zwei Wochen.

Arbeitslosengeld bezog ich, bis mein Antrag auf Gründungszuschuss beim Sachbearbeiter lag – der stornierte die Sozialleistung und legte mich unter einen vermutlich sehr großen Gründungszuschuss-Stapel. Ich musste zwei Monate ALG I zurückzahlen, lang bevor ich meinen Gründungszuschuss bekam. Die ersten Honorare? Kamen Ende März. Der Gründungszuschuss kam im Mai, gleich für vier Monate rückwirkend. Ich investierte ihn komplett in meine Steuerrücklagen.

 

Meine wichtigsten Lektionen:

Rücklagen: Insgesamt habe ich rund 3000 Euro gebraucht, um den Start in die Selbstständigkeit zu finanzieren – nur auf mein privates Überleben bezogen. Für die Steuer lege ich seitdem 30 Prozent aller Einnahmen zurück, das reicht für die Steuerberaterin, die Nachzahlung selbst und einen Sommerurlaub.

Excel-Tabellen sind euer neuer bester Freund. Ihr müsst wissen, wann welches Geld kommt und ob das über den Monat gerechnet zum Leben reicht. Ihr müsst wissen, wie lange eure Rücklagen reichen, wenn ihr mal drei Monate lang weniger arbeitet. Diese Finanzplanung habe ich für zwölf Monate im Voraus. Außerdem setze ich mich 1-2 Mal im Monat an meine Buchhaltung, trage alles potentiell relevante ein. Ab und zu recherchiere ich Steuerfragen, mittlerweile geht das Meiste nach Gefühl. Meine Steuerberaterin macht einmal im Jahr den Rest.

Reden: Als die finanzielle Kernschmelze drohte, bin ich in die Honorar-Buchhaltung meines Hauptauftraggebers marschiert und habe mein Problem erklärt. Von dem Tag an lagen meine Rechnungen immer ganz oben auf jedem Stapel – ich hatte einfach nett darum gebeten.

Arbeitszeit: Wenn ihr selbst arbeitet, dann ist das Geld wert. Ich habe mir eine Jahresübersicht gebastelt und an jedem Tag meine Arbeitsstunden eingetragen und ihnen einen Wert beigemessen. Ihr bekommt 500 Euro für ein Projekt? Dann seid auch so ehrlich, diesen 500 Euro eine Stundenzahl gegenüber zu stellen. Wenn ihr nichts anders zu tun habt, klar, arbeitet mehr. Sich Mühe geben macht glücklich. Selbstausbeutung macht unglücklich – und arm.

Andere Leute erzählen alle Quatsch. Ihr werdet entweder hören, ihr sollt nicht für unter 300 Euro am Tag arbeiten oder dankbar sein, wenn ihr für 70 Euro irgendwo irgendwas machen könnt. Beides ist absolut falsch. Es hängt vom Projekt ab, es hängt vom Auftraggeber ab, es hängt von eurer Auftragslage ab. Bei mir hat jeder Arbeitstag einen Wert. Der Rest ist Mischkalkulation.

Ausnahmen: Nur dieses eine Mal das drei-Tage-Projekt für 400 Euro machen? Das geht, wenn es euch am Herzen liegt, wenn ihr es euch leisten könnt. Sprechen wir hier von einem millionenschweren Konzern, würde ich es mir schon wieder überlegen. “Medienkrise” ist kein Argument; die sollte nicht auf eurem Bankkonto ausgetragen werden. Eure Honorare werden einen Konzern nicht retten, der sich einen Fuhrpark leistet, Kantinenzuschüsse und Diensthandys für seine Mitarbeiter. Ansonsten ist die Antwort manchmal einfach: Nein. Es wird immer jemanden geben, der es billiger macht als ihr. Seid nicht Teil dieses Selbstausbeutungszirkels.

Liebe Grüße

Isabell

 

Isabell Prophet ist Social Media Expertin und Autorin in Berlin. Sie bloggt unter http://isabellprophet.net/ und ist Teil des http://socialmediawatchblog.org/

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂

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Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Nele Süß.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Nele Süß. Vielen Dank liebe Nele, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

 

Nele Süß, Kommunikationsprofi. 2011 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

„Moin! Ich bin Nele Süß, 38, komme aus dem Dörfchen Sorgbrück in Schleswig-Holstein und bin von Beruf eierlegende Wollmilchsau.“  So stelle ich mich mittlerweile nach rund fünf Jahren Selbstständigkeit oft vor. Um zu erklären, wie es dazu kam und warum das genau so richtig gut ist, muss ich mit meiner Geschichte im Frühjahr 2011 anfangen:

Vor meiner Selbstständigkeit habe ich in mehreren Verlagen als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Meine letzte Station in der Buchwelt war ein Verlag für Wirtschaftssachbücher in Hamburg – für mich als Geisteswissenschaftlerin ein Terrain, von dem ich a) keine Ahnung hatte und b) ehrlich gesagt auch keine Ahnung haben wollte. Ich habe dort trotzdem einen guten Job gemacht und ziemlich gut gelernt, über Dinge zu sprechen, von denen ich nur bedingt Ahnung hatte – glücklich hat mich das aber nicht gemacht. Glücklich war ich, wenn ich einmal die Woche zu „meinen“ Studierenden an der Uni Hamburg durfte. Ich habe dort „Berufsfelderkundung PR“ unterrichtet und schnell gemerkt, dass es mir einfach richtig viel Spaß macht, den Studierenden praktisches Wissen weiterzugeben, sie zum Nachdenken anzuregen und mit ihnen zu diskutieren. Als mein Vertrag mit dem Verlagshaus endete, war das für mich die Gelegenheit, meine berufliche Zukunft nochmal ganz neu zu überdenken. Ich wusste: Der Gründungszuschuss war (zu dieser Zeit!) relativ leicht zu bekommen und da mich die Selbstständigkeit immer schon gereizt hatte, entschied ich mich, meine eigene kleine PR-Agentur zu gründen und eine Coaching-Ausbildung zu absolvieren, um ein zweites Standbein zu haben.

Also ab zum Arbeitsamt in Hamburg, denn dort wohnte ich zu der Zeit noch. Nachdem ich von Freunden gruselige Geschichten über die Agentur für Arbeit gehört hatte, machte ich mich auf das Schlimmste gefasst – und wurde sehr positiv überrascht: Von einer freundlichen und ausgesprochen kompetenten Mitarbeiterin, die meine Pläne ganz großartig fand und mir unbedingt zur Beantragung des Gründungszuschusses riet. Sie drückte mir einige Informationen in die Hand, verdonnerte mich zu einem mäßig guten Vortrag zum Thema Gründungszuschuss und empfahl mir, mich mit einem Steuerberater zu treffen, um meinen Businessplan durchzugehen. Letzteres muss man ja sowieso machen, um die Zahlen absegnen zu lassen. Also: Im Freundeskreis gefragt, eine Empfehlung bekommen, Text geschrieben (das fiel mir zum Glück leicht, denn als PR-Frau muss man das können), Excel-Tabellen mit Einnahmen und Ausgaben gemacht (das fiel mir gar nicht leicht – ich mag Buchstaben, aber mit Zahlen komme ich eher so mittelmäßig klar) und zum Steuerberater gewackelt, der mir als erstes einbläute: „Unter 45€ netto die Stunde arbeiten Sie aber nicht!“

Dann kam mein Umzug nach Kiel. Dort bin ich dann nochmal zur Agentur für Arbeit gegangen, habe alle Unterlagen vorgezeigt, mit meiner Sachbearbeiterin nett geschnackt und ein paar Tage später war alles im Lack. Ich hatte die Zusage für den Gründungszuschuss und somit monatlich ein hübsches Sümmchen zur Verfügung, das mir, zusätzlich zu meinem privaten Sicherheitsnetz bestehend aus meinem Partner und meiner Familie, die Freiheit gab, mich zu verwirklichen. Zudem hatte ich das große Glück, dass einer meiner vorherigen Arbeitgeber an mich herantrat und mir anbot, freiberuflich einige Veranstaltungen für ihn zu planen und zu moderieren. Das hatte ich zwar noch nie so wirklich gemacht, aber man hatte Vertrauen in mich – und ich legte los.

Tja, und nachdem ich dann diese Veranstaltungen mit Bravour absolviert hatte, kam das große Loch. Es wurde Herbst, die Tage wurden kürzer (in Kiel sind sie übrigens besonders kurz…), das Wetter eklig (auch da ist Kiel echt gut drin!) und ich immer trübsinniger. Ich wusste einfach nicht, wohin mit mir: Die Coaching-Ausbildung war großartig, aber hatte natürlich auch viel angestoßen, u.a. dass ich gar nicht als PR-Frau selbstständig sein wollte, sondern lieber als, tja, als irgendwas anderes. Aber was nur? Auch lange Strandspaziergänge und aufwühlende Gespräche mit Freundinnen brachten kein Ergebnis – bis mein damals noch Freund, heute Mann irgendwann zu mir sagte: „Vielleicht ist dein Ziel ja erstmal, ein Ziel zu finden.“ Ich starrte ihn an und merkte: Das ist es! Er hatte die Karotte entdeckt, die man mir vor die Nase halten musste, damit ich wieder auf Spur kam und zielstrebig loslegen konnte. Und was sollte mir schon passieren? Ich hatte den Gründungszuschuss für ganze neun Monate (so war das zu der Zeit noch!) in der Tasche – und einen großartigen Mann, der mir schon was zu futtern kaufen würde, wenn es eng werden sollte.

 

Und so fing ich langsam an, meine Fühler in Kiel auszustrecken.

Denn das wissen wir ja alle: Als Selbstständige*r braucht man ein gutes Netzwerk, um voran zu kommen. Über Umwege landete ich im Kieler Businessclub und traf mich jeden Freitagmorgen um 7.30 Uhr (uaaahhhhh!) mit anderen Selbstständigen zum Frühstück: Um mich auszutauschen, vorzustellen und zu zeigen, was ich drauf hatte. Ich arbeitete u.a. mit dem dortigen Steuerberater zusammen, mit dem ich andere Gründer beriet und coachte. Dann kam das Angebot, einen zweiten Lehrauftrag an der Uni Hamburg zu übernehmen: Einführung in die Teamarbeit. Ich war Feuer und Flamme. Zum einen konnte ich dort mein Wissen aus der Coaching-Ausbildung gleich anwenden, zum anderen ist mein Mann als Sozialpädagoge Spezialist für genau dieses Thema. An langen Abenden vermittelte er mir weitere Methoden und plante mit mir das Semester – und meine Studis waren begeistert von mir.

Kurz danach trudelten weitere Angebote in Sachen Workshops und Coachings ein: Alle über mein Netzwerk, das ich immer brav gepflegt hatte und das auch noch heute mit Freude tue – und zwar nicht nur, weil ich darüber Aufträge bekomme, sondern weil es mir einfach wahnsinnig Spaß macht, ich eine große Neugier für die Menschen um mich herum hege und selbst gerne Leute empfehle, die ich gut finde! Zusätzlich hat mein Mann mich in seinem Netzwerk empfohlen, was mir Aufträge in verschiedenen Jugendverbänden bescherte. Und so kam eins zum anderen: Ich gab Workshops zu den Themen Kommunikation, Teamarbeit, Präsentation an Hochschulen, in Berufsschulen, bei Verbänden. Und trotzdem fehlte mir etwas, und zwar ein Team. Ich mochte meine Teilnehmer*innen, tauschte mich regelmäßig mit einer sehr guten Freundin aus, die so ziemlich das gleiche tut, wie ich und konnte mit meinem Mann wunderbare Gespräche über meine Arbeit führen. Aber ein Team, wie ich es vorher in meinen Festanstellungen hatte, gab es eben trotzdem nicht. Und was ich auch nicht gut hinbekam, war, mir einen Tagesrhythmus zu geben. Ich schlief mal aus, mal nicht, arbeitete manchmal bis spät in die Nacht, kam morgens nicht hoch, aß unregelmäßig: alles Dinge, die einer hochsensiblen Migränikerin wie mir so gar nicht gut tun. Also beschloss ich: Ein Teilzeitjob muss her.

Ich durchkämmte die Jobbörsen, fand alles Mögliche, aber irgendwie nichts, was mich so richtig reizte. Es sollte schon was sein, was mir auch inhaltlich Spaß brachte. Und dann, eines Nachts, stieß ich auf eine Anzeige des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein, der doch tatsächlich eine PR-Referentin in Teilzeit suchte – ein Job mit Seltenheitswert, denn PRler arbeiten eher Vollzeit.

Stand heute ist: Ich arbeite in Teilzeit bei den LandFrauen und habe dort ein Arbeitsumfeld und Aufgaben, die mich wirklich sehr zufrieden machen. Ich bin zweieinhalb Tage die Woche bei „meinen Mädels“, was meiner Woche eine gute Struktur gibt. Ich habe Kolleginnen, mit denen ich auch mal einen kleinen Schnack halten kann und wenn größere Projekte anstehen, wuppen wir sie zusammen. Ich bin auch nicht immer für alles verantwortlich, sondern habe in meinem Angestelltendasein eine Chefin, mit der ich vieles besprechen kann – und einen Vorstand, der meine Arbeit schätzt. Und natürlich hat das regelmäßige monatliche Einkommen auch etwas ungemein Beruhigendes!

Im Rahmen meiner Selbstständigkeit gebe ich Workshops und moderiere Veranstaltungen – und dafür, dass ich im Grunde keine Akquise mache, sondern „einfach nur“ mein Netzwerk pflege, kommt da ganz gut was zusammen. Ich werde immer besser in meinen Themen: In Sachen Kommunikation, Teamarbeit, Präsentation, Selbstmarketing, Motivation und PR/ÖA macht mir so schnell keiner was vor. Zudem macht es mir Spaß, diese Themen auch zu mischen und immer mal hier und da zusätzliches Wissen einfließen zu lassen. Ich habe auch meinen Stil gefunden: Eine gesunde Mischung aus Lässigkeit, Strenge, Erfahrung, Fachwissen und vieeeeel Humor.

Derzeit absolviere ich noch eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin und habe meine Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen wiederentdeckt … Mal sehen, was sich daraus noch so machen lässt. Ach so – mein Mann und ich sind mittlerweile aufs Land gezogen. In der Nähe von Rendsburg haben wir einen alten Landgasthof gekauft und bauen ihn gerade um: zu einem Seminarhaus, das von Gruppen gemietet werden kann und in dem ich ebenfalls Seminare geben werde.

 

Würde ich aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Ein bisschen mehr Gelassenheit wäre sicher manchmal gut gewesen und weniger Grübelei. Neulich ist mir mal wieder „Momo“ in die Hände gefallen– und ich kann nur empfehlen: Lest dieses Buch nochmal als Erwachsene!

Zum einen, weil mir beim Lesen erneut sehr bewusst geworden ist, dass meine Lebenszeit sehr wertvoll ist. Ich möchte meine Stundenblumen nicht mit unbefriedigender Arbeit vergeuden und auch nicht mit Ängsten. Ich hätte vielleicht öfters mal über genau die sprechen sollen, denn ich habe viel mit mir selbst ausgemacht.

Zum anderen, weil das, was Beppo, der Straßenkehrer sagt, für uns alle gilt: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Viele Grüße und viel Erfolg!

Nele

 

Mehr über Nele erfährst du auf ihrer Website.

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest du in 2 Wochen 🙂

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Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Foto © Maya Meiners

 

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Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper