Gemeinsam stark – wie Corona Leben und Selbstständigkeit beeinflusst.

Gemeinsam, füreinander und #shepreneur_miteinander. Ende März hatte ich via Facebook und Instagram zu einer 7-Tage-Challenge aufgerufen und Gründerinnen, Unternehmerinnen, Solo-Selbstständige und Freiberuflerinnen aufgefordert mir und allen anderen ihre persönliche Geschichte zu erzählen.

Der Hintergedanke dieser Aktion war, Frauen miteinander zu vernetzen, sie in der aktuellen Situation näher zusammenzubringen, zu motivieren und uns gegenseitig zu unterstützen. Jeder Tag der Challenge hatte ein bewegendes Oberthema und passend dazu wollte ich dann erfahren, wie die Frauen diese Zeit gerade erleben und inwieweit sich ihr (Arbeits-)Alltag verändert hat.

In dem jeweiligen Beitrag stellte ich spannende Fragen, die dabei halfen, die eigene Situation genauer zu betrachten und ein großes Füreinander und Miteinander zu erschaffen. In Kommentaren, Beiträgen und unter dem Hashtag #shepreneur_miteinander sind so viele unterschiedliche und persönliche Geschichten geteilt worden, die ich gerne hier zusammenfassen und dir erzählen möchte.

Finde in dem Artikel Einblicke in den Alltag anderer Frauen und habe die Möglichkeit interessante Menschen zu entdecken. Erkenne dadurch, dass es anderen ähnlich geht und entwickele neue Ideen.

Tag 1: NEUES MITEINANDER MEISTERN

Am ersten Tag der Challenge ging es um den Status Quo, um den aktuellen Stand der Dinge. Folgende Fragen konnten die Frauen beantworten oder als Inspiration nutzen:

Welche Auswirkungen hat die Krise auf dein Business? Sind Einnahmen weggefallen? Wurden Veranstaltungen abgesagt, auf denen du potenzielle neue Kunden getroffen hättest? Haben deine Kunden ihr vor kurzem gebuchtes Produkt oder Coaching zurückgegeben? Oder bekommst du Anfragen von deinen Kunden, für die du (noch) kein Angebot hast? Welche Herausforderungen oder Chancen ergeben sich daraus für dein Business?

#shepreneur_miteinander Tag 1 neues miteinander meistern

Das Fazit: Der aktuelle Stand in Bezug auf Arbeit und Selbstständigkeit ist sehr bunt gemischt – von kaum merklichen Veränderungen über tatsächlich vermehrte Anfragen bis hin zu jeder Menge Stornierungen. Weniger überraschend ist die Tatsache, dass Aufträge als Speakerinnen auf Messen und Veranstaltungen abgesagt wurden. Vor allem die Frauen, die hauptsächlich offline und zwischenmenschlich in ihrer Selbstständigkeit arbeiten, haben große bis hin zu existenzielle Einbußen zu verzeichnen, ebenso die Frauen, die mit ihrem Business ganz am Anfang stehen. Geld ist die Hauptsorge.

Nichtsdestotrotz ist die Grundstimmung fast durchweg positiv, auch eine anfängliche Schockstarre scheint überwunden. Viele schreiben, dass sie die Krise als Chance sehen und die (ungewollt) freie Zeit nutzen. Entweder wird liegengebliebenes abgearbeitet, neue Ideen werden umgesetzt und weitere Angebote kreiert oder es wird sich ganz auf die Familie konzentriert. Auch auf die „Zeit danach“ wird sich vorbereitet, um nachhaltig und krisensicher für die Zukunft aufgestellt zu sein.

Vernetz dich für ein starkes Miteinander!

Persönliche Stimmen: Tanja Baumann schreibt auf Facebook: „Bisher läuft noch alles normal, mein Business war vorher schon komplett online und meine Kunden größtenteils auch. Ich merke, dass mehr kleiner Aufträge rein kommen, da sich jetzt die Zeit genommen wird für Dinge die bisher liegen geblieben sind. Aktuell bleiben größere Aufträge aus, davon habe ich in der Regel 1 bis 2 im Monat. Ich nutze die Zeit aber selbst, um neue Dinge endlich voranzubringen und mit den kleinen Aufträgen wäre es auch soweit ok für eine Weile.“

Christine Harder schreibt auf Instagram: „Krise oder Chance? Ich habe mich für Chance entschieden. Meine Eventagentur, die im April 10 jähriges Jubiläum feiert, hat derzeit geschlossen und ich somit keine Einnahmen (aber Ausgaben). Ich arbeite aber schon seit einiger Zeit an Plan B und dafür ist gerade viiiiiiiiil Zeit und das nutze ich einfach aus. Für alles andere (fehlende Gelder) gibt es Lösungen und dann wird es am Ende noch besser als vorher, da bin ich ganz zuversichtlich.“

Tag 2: VIRTUELL MITEINANDER

Am zweiten Tag der Challenge ging es um den Austausch untereinander, trotz Social Distancing. Folgende Fragen konnten die Frauen beantworten oder als Inspiration nutzen:

Wie verbindest du dich während Ausgangssperre und freiwilliger Selbstisolation mit deinen Kolleginnen und Kollegen? Wie verbindest du dich mit Familie & Freunden? Welche Offline-Aktivitäten nimmst du jetzt online wahr?

#shepreneur_miteinander Tag 2 virtuell miteinander

Das Fazit: Virtuelles Co-Working und der Austausch mit Gleichgesinnten wird immer wichtiger. Wo möglich (und wo es nicht bereits vorher schon so stattgefunden hat), werden Kundentermine, Präsentationen, Meetings, Kurse und Coachings online durchgeführt. Das meist genannte Tool ist dafür Zoom.

Der Austausch, vor allem privat, wird intensiv betrieben. So finden ganze Geburtstagsfeiern virtuell statt, es wird sich online verabredet, gespielt, musiziert. Das Telefonieren und bewusste miteinander kommunizieren gewinnt wieder an Bedeutung. Hobbies und Aktivitäten, die vorher eher offline stattgefunden haben, werden mittlerweile im Internet angeboten und gerne wahrgenommen. Aber es wird auch angemerkt, dass die Online-Zeit stark zugenommen hat und daher der Ausgleich in der Natur gesucht wird.

Suche online Gleichgesinnte, um den aktuellen Business-Alltag gemeinsam zu meistern!

Persönliche Stimmen: Marlen Harder schreibt auf Instagram: „Momentan verbinde ich mich über Coworking via Zoom, nehme an Challenges teil und bin auf Instagram aktiver denn je ;-). Mit der Familie und mit Freunden finden ZoomTreffen statt z.B. zur Goldenen Hochzeit und zum Kaffeklatsch. Mit den Großeltern videotelefonieren wir via WhatsApp. Meine Mastermind läuft jetzt via Skype; Konzerte, Yogakurse und die Klassensprechstunden meines Sohnes werden gezoomt.“

Katrin von Verstehe Deine Katze schreibt auf Instagram: „… In Kontakt und verbunden sein und bleiben ist für mich gerade jetzt ein ganz wichtiger Punkt! Social distancing ja, einsam sein NEIN auf keinen Fall! …“

Sandra von der Praxis für Achtsamkeit und Naturtherapie schreibt auf Facebook: „Ich habe sogar das Gefühl, jetzt enger mit FreundInnen verbunden zu sein, weil wir öfter telefonieren. Kollegialer Austausch wurde auf Videocalls mit verschiedenen Anbietern verlegt – sehr interessant! Und täglich erreichen mich neue tolle Ideen, wie man Offline-Hobbies auch online machen kann: Online-Yoga, Online-Wave, Online-Tango…Also mir geht’s richtig gut!“

Tag 3: MITEINANDER STARK

Am dritten Tag der Challenge ging es um Inspiration und ein noch größeres Miteinander. Folgende Fragen konnten die Frauen beantworten oder als Gedankenimpuls nutzen:

Welche Accounts haben dir in den letzten Tagen besonders weitergeholfen und dich inspiriert? Welche Accounts sind dir besonders positiv aufgefallen, weil sie Dinge anders gemacht haben als andere?

#shepreneur_miteinander Tag 3 miteinander stark

Das Fazit: An dem Tag hat mich besonders die Vielfalt gefreut. Diverse Accounts und Frauen wurden genannt, aus unterschiedlichen Bereichen. Auch wurde jede Erwähnung erklärt und ein paar Wörter dazugeschrieben. Die Wertschätzung für Angebot und Arbeit ist noch immer sehr hoch und wo möglich, wird weiterhin in das eigene Mindset und die persönliche Weiterentwicklung investiert. Ich habe sogar das Gefühl, dass diese Investition zugenommen hat, um durch Hilfe von außen sich nicht selbst in der Krise zu verlieren. Die Bedeutung vom Netzwerken wächst stetig und exponentiell.

Lass dich von anderen Frauen inspirieren und motivieren!

Persönliche Stimmen: Margot Leopold schreibt auf Facebook: „Am Freitag habe ich beim Workshop von Anja Herting – sensibel online erfolgreich mitgemacht. Für mich hat Anja das richtige Gespür für Aktivitäten in Zeiten von COVID-19: Arbeiten UND seinen Werten und Überzeugungen treu bleiben! Beides ist wichtig für mich. Ich möchte auch nicht untergehen in der Corona Welle. Meine Werte zu verraten kommt aber auch nicht in Frage. Angst-Marketing ist ganz sicher nicht mein Weg. Anja hat mir Mut gemacht dass das auf jeden Fall zusammen passt. Dass Umsätze auch möglich sind ohne die Not anderer auszunützen. Und genauso mache ich weiter.“

Katrin von Verstehe Deine Katze schreibt auf Instagram: „… @cafezuraltenzicke weil Frauenpower und Kekse nun mal ne verdammt geniale Kombi sind …“

Tag 4: MITEINANDER INNOVATIV

Am vierten Tag der Challenge ging es um Innovation und Weiterentwicklung. Folgende Fragen konnten die Frauen beantworten oder als Inspiration nutzen:

Welche neuen Angebote wurden durch die Krise geschaffen? Was hat die Krise Neues möglich gemacht oder verändert? Welche neuen Angebote hast du kurzerhand entwickelt?

#shepreneur_miteinander Tag 4 miteinander innovativ

Das Fazit: Positiv hervorgehoben wurden die vermehrten Angebote für virtuelles Co-Working. Viele Frauen sind mit ihren Angeboten bereits in die Umsetzung gekommen und haben digitale Produkte auf den Markt gebracht. Egal ob Kurse oder Workshops, kostenfrei oder kostenpflichtig. Der Fokus liegt bei den Bedürfnissen der Kunden, daran wird sich angepasst und orientiert. Als innovativ wird zum Beispiel angesehen, dass man mittlerweile viele Museen dieser Welt virtuell besuchen oder an Kursen entfernter Universitäten teilnehmen kann: Summa summarum, dass sich in vielen Bereichen etwas bewegt, die vorher als langsam, alteingesessen oder „verstaubt“ galten.

Nichtsdestotrotz wird das derzeitige Angebot differenziert und kritisch betrachtet – wurde es etwa nur panisch als Schnellschussnummer auf den Markt geworfen? Oder bietet es Mehrwert? Qualität ist noch immer das oberste Gebot.

Vernetz dich und wachse gemeinsam!

Persönliche Stimmen: Laura von Laura Röseberg – Virtuelle Assistentin schreibt auf Instagram: „… Beruflich gesehen hat sich bis jetzt noch nichts Neues für mich ergeben. Privat jedoch hat sich so einiges verändert. Ich mache Sport nun zuhause, treffe mich mit meinen Freunden auf ein Glas Wein in Zoom anstatt in einer Bar. Der Supermarkt liefert wenn man möchte direkt zu einem nach Hause. Man muss also wirklich nicht mehr das Haus verlassen. Es ist möglich sich die Museen auf der ganzen Welt virtuell anzugucken. Vorlesungen an den besten Unis der Welt, wie Harvard oder Yale zu besuchen. Bibliotheken nutzen zu nutzen und das alles umsonst. Verändert hat sich jedoch meine Sicht auf die Menschheit bzw. sieht man jetzt erst wirklich was für einen großen Einfluß der Mensch auf unsern Planeten hat. Schon ein paar Wochen ohne Menschen und die Ozeane können sich erholen, die Flüsse sind wieder klar und viele Tiere kehren in ihren natürlichen Lebensraum zurück. Das es wirklich so schnell geht, hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Es stimmt jeder einzelne kann eine Veränderung bewirken aber am Ende des Tages ist alles und jeder miteinander verbunden.“

Tag 5: MITEINANDER ZU HAUSE

Am fünften Tag der Challenge ging es um Home Office, Struktur und Zeitmanagement. Folgende Fragen konnten die Frauen beantworten oder als Inspiration nutzen:

Wie sieht deine aktuelle Arbeitssituation aus? Ist deine Familie zu Hause oder bist du alleine? Hast du genug freien Raum für dich oder musst du deinen Platz teilen? Hast du Ruhe oder toben die Kinder um dich herum? Gibt es bestimmte Regeln oder Zeiten, wie du den Tag mit Arbeit und Familie strukturierst?

#shepreneur_miteinander Tag 5 miteinander zu hause

Das Fazit: Es scheint teilweise schwierig Home-Schooling und Home-Office parallel unter einen Hut zu bekommen, wobei sich mittlerweile eine gewisse Routine einpegelt hat. Es bedarf bei vielen Frauen vor allem Planung und Koordination. Die Situation wird aber aktiv angegangen und es werden entsprechende Bereiche eingerichtet und teilweise sogar feste Zeiten definiert – man arrangiert sich mit allen Familienmitgliedern.

Anstrengend und chaotisch bleibt es aber für die Frauen, die mit den Umständen schwer klarkommen und für die sich die Veränderungen (Partner und / oder Kinder sind rundum zu Hause) negativ auf die Produktivität auswirken. Die Vorzüge eines eigenen Gartens sind offensichtlich und werden mehrmals erleichtert erwähnt.

Mut machen und Kraft geben ist das heutige Motto!

Persönliche Stimmen: Kerstin von Hausverwaltung Kerstin Appel schreibt auf Facebook: „Mein Mann ist im Moment überwiegend im Homeoffice aber auch mal im Büro unterwegs. Ich bin normalerweise täglich im Büro, heute aber mal im Homeoffice. Wir sitzen am gleichen Tisch. Er hat viele Telefongespräche, sodass ich leider nicht in Ruhe arbeiten kann. Da ist es von Vorteil sonst im Büro zu sein.“

Kerstin von Ajasha schreibt auf Instagram: Seit 2 Wochen sind mein Mann und ich zusammen im Haus. Da unsere Kinder schon groß sind und ihre eigenen Wege gehen, sprich ausgezogen sind, haben wir das Haus für uns.⁠ Das macht es deutlich leichter uns in getrennte Räume zu begeben. Wir haben sogar für meinen Mann im Esszimmer einen Stehtisch (ihr kennt diese Bistrotische?) aufgebaut. Somit kann er zwischen Steh- und Sitzschreibtisch wechseln. Bei Meetings, Webinaren, Workshops schließen wir die Tür und dann passt das.⁠ Ab morgen wird unser Enkel da sein, für 2 Wochen.⁠ Somit werden Plätze getauscht, ich habe bereits viel für die nächsten 2 Wochen vorbereitet, mein Mann wird dann in unser Arbeitszimmer mit Steh-Sitz-Schreibtisch umziehen und ich werde im Esszimmer immer mal am PC arbeiten …“

Tag 6: MITEINANDER FÜREINANDER

Am sechsten Tag der Challenge ging es um Regionalität, Lokalität und Unterstützung. Folgende Fragen konnten die Frauen beantworten oder als Inspiration nutzen:

Kleine Unternehmen und Selbstständige trifft es aktuell besonders hart. Welche kleinen und lokalen Unternehmen unterstützt du im Moment? Welche Ideen haben dich besonders beeindruckt?

#shepreneur_miteinander Tag 6 miteinander füreinander

Das Fazit: Konsum wird wieder bewusst oder noch bewusster. Gerade bei Frisch-, Fleisch- und Backwaren wird auf Regionalität gesetzt und Biobauern, Bäcker und Metzger unterstützt. Auch werden wieder vermehrt Empfehlungen ausgesprochen und das Netzwerken wird viel offensichtlicher betrieben – es wird tatsächlich aktiv angeboten. Persönliche Bindungen oder Beziehungen in bestimmte (kulturelle) Bereiche veranlassen eher zur Spende, als wenn dieser Bezug fehlt. Teilweise wurde aber auch der Konsum reduziert, aufgrund von finanziellen Engpässen oder unsicheren Zukunftsaussichten.

Lasst uns einander unterstützen!

Persönliche Stimmen: Hannah von Projektmanagement Ahoi! schreibt auf Instagram: „Wir haben auch gleich eine regionale Bio-Kiste bestellt! Das wollte ich schon immer machen und Home Office hat es jetzt ermöglicht! Vorher hab ich einfach nicht so viel selbst gekocht!“

Sylvia von der Augenschule Sylvia Gelman schreibt auf Instagram: „Habe bei der örtlichen Buchhandlung ein Buch bestellt. Sie bieten einen Lieferservice an. Ansonsten merke ich schon auch, dass ich meinen Konsum drossele.“

Tag 7: MITEINANDER NEUES ENTDECKEN

Am siebten Tag der Challenge ging es um neue Liebeleien, alte Hobbies und wiederentdeckte Dinge. Folgende Fragen konnten die Frauen beantworten oder als Inspiration nutzen:

Gibt es Dinge, die du für dich neu entdeckt hast, die du vorher vielleicht nicht gemacht hast, weil du jetzt “mehr Zeit” hast? Für welche Hobbies oder Aktivitäten hast du wieder Zeit?

#shepreneur_miteinander Tag 7 neues miteinander entdecken

Das Fazit: Die Antworten waren an dem Tag so vielfältig, wie eben auch die Frauen es sind. Kontrastreich wurde entweder davon erzählt, dass kaum freie Zeit vorhanden ist, weil viele neue Ideen sprudeln und umgesetzt werden wollen, auf der anderen Seite wiederum wird die Entschleunigung genossen und mehr Entspannung und Ruhe ist eingekehrt. Die Familie wurde oft genannt und das man sich jetzt mehr auf sie besinnt und aktiv Zeit miteinander verbringt. Auch wurde weniger Neues angeeignet, stattdessen alte Hobbies aufleben gelassen und Liegengebliebenes abgearbeitet.

Der Grundtenor war entspannt, dennoch wurde vereinzelt auch die wenige Zeit für’s eigene Business aufgrund von Home-Schooling und / oder Home-Office aller Familienmitglieder erwähnt.

Gemeinsam wuppen wir diese Zeit!

Persönliche Stimmen: Steffi von entspannter erfolgreich schreibt auf Facebook: „Ich habe mir in den letzten Wochen noch mehr Zeit für mich, meine Kinder und für kleine und große Pausen genommen: in der Ruhe liegt die Kraft. Nur aus dieser Ruhe heraus finden wir kreative Lösungen, wie wir die anstehenden Herausforderungen lösen können.“

Katja von afilii schreibt auf Instagram: „Ganz ehrlich? Noch habe ich nicht wirklich etwas neues entdeckt oder neues gemacht; ich ATME jetzt erst einmal durch; nach 3 anstrengenden Home-Schooling Wochen … Obwohl, nichts entdeckt stimmt nicht ganz: viele grüne Triebe in unserem Garten haben u.a. mein Herz erfreut und die schönen Spielideen internationaler Designer für play-at-home.org.“

Das alles sind wunderbare Beispiele, wie wir Corona für uns nutzen und wie wir erkennen können, was unsere Kunden, was unsere Community und wir selbst gerade brauchen. Wir können nicht einfach so weitermachen – es ist eine Krise, die uns alle in irgendeiner Form betrifft. Aber wir können und müssen diese Krise als Chance sehen. Als Möglichkeit unser Business nachhaltig weiterzuentwickeln, die Standbeine offline UND online neu zu positionieren.

Katharina von Theater Klinger schreibt über die Challenge auf Facebook: „Ich möchte Dir auch noch einmal von Herzen Danke sagen. Mir hat es sehr geholfen, mich gedanklich mit den Fragen auseinander zu setzen und damit habe ich für mich mehr Klarheit in der momentanen Situation bekommen.“

Erzähle mir von deiner persönliche Geschichten gerne in einem Kommentar. Was hat die Krise bei dir bewirkt? Nimm dir auch einen Zettel und Stift und beantworte alle vorangegangenen Fragen für ein besseres Bild von außen auf deine aktuelle Situation.

Alles Liebe,

Deine Tanja

PS: Du willst mehr über die Person hinter she-preneur erfahren? Dann schau hier vorbei.

PPS: Vernetzte dich mit mir und anderen Gründerinnen und selbstständigen Frauen in unserer geschlossenen she-preneur Community auf Facebook.

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Sarah Brodacz.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Sarah Brodacz. Vielen Dank liebe Sarah, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Sarah Brodacz, Dolmetscherin und Übersetzerin. In 2010 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Mein Name ist Sarah Brodacz, ich bin 34 Jahre alt und lebe und arbeite in Bramsche im südlichen Niedersachsen.

Ich habe mich im Frühjahr 2010 mit dem Gründungszuschuss als Dolmetscherin und Übersetzerin selbständig gemacht.

Mein Studium zur Diplom-Dolmetscherin für Englisch und Französisch habe ich im Juni 2007 an der Uni Leipzig abgeschlossen. Bereits neben dem Studium konnte ich in einem Übersetzungsbüro erste Erfahrungen als Korrekturleserin, Dolmetscherin und Übersetzerin sammeln, und ich hatte das Glück, mit dem Abschluss in der Tasche dort direkt eine Festanstellung zu bekommen. Ich blieb 2,5 Jahre.

Seit dem Studium hatte ich immer wieder darüber nachgedacht, mich selbständig zu machen. Als es dann im Übersetzungsbüro eine Auftragsflaute gab, war ich entsprechend über die betriebsbedingte Kündigung im Januar 2010 auch nicht allzu traurig.

Es war ganz klar, dass ich weiterhin übersetzen und dolmetschen wollte. Durch die Arbeit im Übersetzungsbüro konnte ich Erfahrungen mit der „richtigen“ Arbeit sammeln und zum anderen auch ansonsten sehen, wie der Hase in der Praxis läuft. Bedenken und Ängste hatte ich hinsichtlich der Selbständigkeit kaum, ich war mir relativ sicher, dass es schon irgendwie gehen würde. Bereits vor einiger Zeit hatte ich mir Unterstützung durch eine Unternehmensberaterin geholt. Zunächst haben wir vor allem Gespräche geführt, in denen es neben den wirtschaftlichen Grundlagen auch um meine ganz persönlichen Voraussetzungen ging. Nicht jeder ist ja für eine Selbständigkeit gemacht. Zudem absolvierte ich ein Existenzgründerseminar, was damals Pflicht war, um den Gründungszuschuss zu beantragen, so dass ich mich sehr gut vorbereitet fühlte – sowohl auf die Vorteile der Selbständigkeit als auch auf die Schwierigkeiten, die es in den ersten Jahren sicherlich geben könnte. Die Unternehmensberaterin hat mir auch bei der Erstellung des Business Plans sehr geholfen, vor allem in Bezug auf die Zahlen. Ich fand es schwer, genau zu beziffern, wie es wohl laufen könnte. Hinsichtlich potenzieller Kunden konnte ich aber bereits sagen, dass mir zum einen das Übersetzungsbüro zugesagt hatte, wenn es wieder besser läuft, auch auf freiberuflicher Basis mit mir arbeiten zu wollen, und ich zum anderen gute Kontakte hatte, über die ich möglicherweise Aufträge würde bekommen können.

Ich wollte für die Übergangszeit wieder bei meinen Eltern einziehen, so dass ich mich dort bei der Agentur für Arbeit in Osnabrück vorstellen musste. Zum Glück fand ich mich einem Berater gegenüber, der mich ebenfalls in meinem Vorhaben unterstützte. Von Anfang an hieß es, dass ich so sicher auftrete, dass das mit der Selbständigkeit wohl auf festen Füßen stehe und man mich entsprechend mit Bewerbungsangeboten in Ruhe lassen würde. Hier habe ich dann auch den Antrag auf den Gründungszuschuss bekommen; das war Anfang Februar.

Zum 15. März 2010 habe ich, nachdem ich noch mit einem Steuerberater Rücksprache gehalten habe, meine Selbständigkeit angemeldet – ich war sehr gespannt, wie es losgehen würde. Die Zusage für den Gründungszuschuss kam Ende April.

Dank meines vorherigen Arbeitgebers und vor allem über Freunde und Bekannte, die in Firmen arbeiten, in denen es für meine Sprachen (Englisch und Französisch) Übersetzungsbedarf gibt und bei denen ich mich gemeldet hatte, hatte ich von Anfang an sehr wenig Leerlauf und gut zu tun. Nach einem knappen halben Jahr zog ich in eine eigene Wohnung. Ein Raum ist ausschließlich Büro, denn da ich von zu Hause aus arbeite, wollte ich von Beginn an einen separaten Bereich zum Arbeiten haben. Im ersten Jahr habe ich mich noch nicht so sehr an feste Arbeitszeiten gehalten, sondern immer wieder auch tagsüber Freunde getroffen oder Termine gemacht. Dann habe ich aber gemerkt, dass es mir nicht so gut bekommt, wenn Arbeit und Freizeit nicht klar getrennt sind. Daher habe ich mittlerweile eine Kernarbeitszeit, an die ich mich zumeist halte. Zum Teil war es gar nicht so leicht, das auch allen anderen verständlich zu machen.

Während viele Sorge haben, dass sie bei der Arbeit von zu Hause gar nicht richtig den Hintern hoch kriegen und sich zu leicht von anderen Dingen ablenken lassen würden, besteht bei mir immer das Risiko, zu viel zu arbeiten. Das hat aber sicher auch damit zu tun, dass ich meine Arbeit einfach sehr gerne mache. Seit Beginn meiner Selbständigkeit kann ich nun nach sechs Jahren sagen, dass ich insgesamt vielleicht maximal zwei Wochen lang keine Aufträge hatte. Das ist ein ziemlicher Glücksfall, ich weiß, dass es nicht bei allen so gut anläuft. Akquise habe ich scheinbar immer in den richtigen Momenten gemacht, immer wenn irgendwo gerade Not am Mann war. Die Anmeldung beim Berufsverband, in Online-Netzwerken oder auch mein Eintrag in den Gelben Seiten haben fast unmittelbar zu neuen Kontakten und Aufträgen geführt.

Seit einem knappen Jahr habe ich neben der Selbständigkeit eine halbe feste Stelle, die mir aus dem Nichts heraus angeboten wurde, auch als Übersetzerin, und ich kann die Arbeit genau wie die andere Arbeit von zu Hause aus erledigen. Natürlich bekomme ich dadurch einen Teil der Sicherheit einer Festanstellung, nicht zuletzt bezahlten Urlaub. Ich habe mich immer sehr schwer getan, wirklich Urlaub zu nehmen. Immer kam gerade dann, wenn ich ein paar freie Tage geplant hatte, ein lukrativer oder besonders spannender Auftrag rein, den ich dann nicht absagen wollte. Das war lange eine große Herausforderung für mich: Anfragen abzulehnen, weil die Kapazitäten ausgeschöpft waren. Zu Beginn ist klar, dass man auch unschöne Arbeitszeiten in den Abenden oder an Wochenenden in Kauf nimmt, aber irgendwann darf (und muss und sollte) man sich das Recht herausnehmen, Grenzen zu ziehen und nicht mehr alles zu machen. Erfahrungsgemäß kommen Kunden trotzdem wieder, wenn sie von der Arbeit überzeugt sind, oder sie fragen direkt, innerhalb welcher Frist man es denn schaffen könnte.

Mein Fazit nach sechs Jahren ist, dass ich den Schritt in die Selbständigkeit nie bereut habe. Natürlich bin ich „selbst und ständig“, wie es so schön heißt, und das wird sich vermutlich nie ändern. Aber die viele Arbeit hat sich ausgezahlt, nicht zuletzt in der Form von Erfahrung. Nach wie vor liebe ich die Abwechslung, denn ich weiß nie, was als nächstes kommt. Ich habe gelernt, was ich kann und genau das auch nach außen zu vertreten und zu „verkaufen“. Ich habe gelernt, Nein zu sagen, wenn eine zeitliche oder Belastbarkeitsgrenze erreicht ist. Ich kann sehr gut sagen, wenn etwas nicht in mein Fachgebiet fällt – denn auch das wissen die Kunden zu schätzen. Nach all der Zeit habe ich nun die Freiheit, mir die Rosinen unter den Kunden herauszupicken, d.h. diejenigen, die am besten bezahlen und die interessantesten Aufträge schicken.

„Nichts, das sich zu haben lohnt, fällt einem in den Schoß“ ist ein Zitat aus der Serie Scrubs. Das fällt mir ein, wenn ich kurz zusammenfassen müsste, was Selbständigkeit bedeutet. Ich würde in jedem Fall empfehlen, eine gewisse zeitliche und räumliche Trennung zwischen Arbeit und Privatem zu praktizieren, aber das ist sicher neben der eigenen Persönlichkeit auch vom Job abhängig. Selbständig zu sein ist nicht leicht – ich bin selbst für alles verantwortlich und zuständig, aber wenn man die eigentliche Arbeit wirklich gern macht, lohnt sich alle Anstrengung. Alle Arbeit mache ich für mich – alles, was ich mache, und auch alles, was ich nicht mache. Nicht zuletzt ist es schön, wenn Kunden immer wieder kommen und einem somit bestätigen, dass man seine Sache gut macht.

Viel Erfolg!

Eure Sarah!

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂 Mehr über Sarah und ihre Arbeit als Übersetzerin erfährst Du auf www.sprachfreund.de Gerade ist zudem Sarahs Blog online gegangen: www.fraeuleinkokolores.de

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

Foto © Romy Geßner

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Michaela Naumann.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Michaela Naumann. Vielen Dank liebe Michaela, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Michaela Naumann, systemischer Coach und freie Referentin. In 2010 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Hallo! Mein Name ist Michaela Naumann, ich bin 39 Jahre alt und seit 2010 mit everybody’s public – Coaching & Kommunikation in Mainz selbstständig.

Ursprünglich aus der PR kommend, arbeite ich heute überwiegend als systemischer Coach und freie Referentin oder anders gesagt: Ich bin Perspektivenlotsin, Ideenstifterin, Impulsgeberin und Motivatorin.

Wie war mein Weg in die Selbstständigkeit? Angefangen hat das natürlich schon viel früher … 1977 als echte ‚Meenzerin’ geboren, bescheinigte man mir bereits in der Grundschule einen großen Wortschatz. Damit war nicht nur meine kindliche Eloquenz, sondern auch mein Temperament gemeint. Kein Wunder, dass ich Neuere deutsche Literatur & Medien sowie Kunstgeschichte studiert habe und immer wieder in den Bereichen Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Organisation landete.

Nach meinem Studienabschluss habe ich mich für eine Promotion entschieden – und parallel für ein Volontariat in einer PR-Agentur. Gerade das abwechslungsreiche Arbeiten auf Agenturseite sowie die spannenden Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen haben mich früh begeistert und geprägt. Der große Schritt in das Abenteuer Selbstständigkeit war die logische Konsequenz und die Erfüllung eines lange gehegten Traums.

Im Sommer 2009 reifte der Plan für die Selbstständigkeit. Eine ehemalige Kollegin und gute Freundin war bereit, sich gemeinsam mit mir den Herausforderungen zu stellen. Wir haben uns früh informiert, Kurse für Existenzgründer bei der IHK besucht, Beratungsgespräche geführt, mit anderen Gründern gesprochen, recherchiert und viel gelesen. 2010 schieden wir beide aus unseren bisherigen Angestelltenverhältnissen aus und wandten uns an die Agentur für Arbeit. Mit den üblichen Bedenken und Gerüchten im Hinterkopf, habe ich mich meiner Beraterin vorgestellt und ihr direkt meinen Plan unterbreitet, mich selbstständig machen zu wollen. Ich muss sagen, ich hatte Glück und eine wunderbare Ansprechpartnerin, die unserem Vorhaben positiv und unterstützend entgegensah. Ich konnte ganz ehrlich mit ihr sprechen, musste keine Bewerbungen schreiben oder weitere Vorbereitungskurse besuchen, die wir bereits aus eigenem Antrieb absolviert hatten.

Wir hatten uns lange vorbereitet, einen Businessplan verfasst, einen Unternehmensberater hinzugezogen (eine weniger glückliche Erfahrung), uns informiert und konnten unsere Idee einer PR-Agentur mit Textwerkstatt gut darlegen. Entsprechend waren Arbeitslosenmeldung, Beantragung des Gründungszuschusses und selbst der geplante Umzug zurück nach Mainz unproblematisch. Unsere Unterlagen wurden flink bearbeitet, der Gründungszuschuss bewilligt und auch in der zweiten Runde verlängert.

Letztlich starteten wir im Sommer 2010 und stellten fest, dass sich trotz Vorbereitung viele Tage anfühlten wie ein Ausflug auf einen Abenteuerspielplatz. Zudem mussten wir feststellen, dass sich die Vorstellung und die Realität von Selbstständigkeit nicht decken müssen. 2012 haben wir uns getrennt – meine Partnerin ist zurück ins Angestelltenverhältnis und ich habe mich erneut bewusst für die Selbstständigkeit entschieden.

Für mich war das ein noch einmal ein Neustart: Ich habe eine systemische Coachingausbildung begonnen, meinen Train-the-Trainer absolviert und mich in Weiterbildungen geworfen. Dadurch hat sich mein Portfolio massiv verschoben und ich musste mich in meiner Selbstständigkeit neu orientieren und organisieren. Seit einem knappen Jahr habe ich auch noch eine halbe Projektstelle angenommen und arbeite als Studentencoach für die Handwerkskammer. Hier coache ich StudienabbrecherInnen und baue ein Netzwerk mit Kollegen auf.

Und heute? Aus der PR-Agentur mit Textwerkstatt ist ein Ideenbeet geworden. Als Perspektivenlotsin, Ideenstifterin und Projekt-Mary-Poppins höre ich zu, frage nach, motiviere, entwickle Ideen, finde Lösungen… Ich coache Menschen in Veränderungssituationen, nehme Lehr- und Dozentenaufträge wahr, moderiere Veranstaltungen, berate zu PR- und Kommunikationsthemen, unterrichte in der Erwachsenenweiterbildung und gebe Workshops zu Themen, wie Präsentation, Selbstpositionierung, Visualisierung oder Kreativitätstechniken.

Verbindende Elemente meiner Portfoliotätigkeiten sind Kommunikation, Kreativität, Motivation und Entwicklung. Hinzu kommt eine große Portion Humor, gepaart mit Empathie und Leichtigkeit sowie ein großer Fundus an Bildern und Geschichten aus Literatur, Film und Kunst, die nicht zuletzt meinem Studium geschuldet sind.

In den letzten Jahren habe ich immer wieder meine Komfortzone verlassen und Neues gewagt, verwegen Ja zu ersten Aufträgen in neuen Gebieten gesagt, mit aufsteigender Panik gekämpft, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, aus Fehlern gelernt, auch mal schlaflose Nächte verbracht, bin meinen Interessen gefolgt und habe mich weiterentwickelt – und am Ende würde ich es immer wieder so machen!

Mein größter Luxus: Ich habe Spaß an meiner Arbeit!

 

Was würdest Du jungen Gründerinnen gern mit auf den Weg geben?

  • Spaß haben, authentisch sein und die eigene Entwicklung genießen.
  • Ängste aushalten können.
  • Sich nicht mädchenhaft für Honorare entschuldigen.
  • Dranbleiben und auch mal charmant die Zähne zeigen.
  • Sich treu bleiben und Zeit geben.
  • Mit den eigenen Kräften haushalten.
  • Sich Verbündete suchen, mit denen man sich ganz ehrlich austauschen kann.
  • Bei gemeinsamen Gründungen schon zu Beginn einen Vertrag für den Fall der Trennung aufsetzen, dann trennt man sich auch mit Anstand.

 

Viel Erfolg!

Eure Michi

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

Foto © Maya Meiners photographie

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Elisabeth Weigel.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Elisabeth Weigel. Vielen Dank liebe Elisabeth, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

Elisabeth Weigel, Suchspezialistin für Sichtbarkeit im Internet. Im Januar 2014 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

 

Hallo, mein Name ist Elisabeth Weigel, 32 Jahre alt. Ich bin ein Nerd, und stolz darauf. Ich habe mich immer dafür interessiert, was die Welt im Innersten zusammenhält und wie man es am besten erklärt. Denn was nutzt Wissen, wenn man es nicht teilen kann? Zunächst habe ich in Deutschland Physik studiert, dann zog das Fernweh mich zur Promotion nach Singapur. Vier Jahre später, 2011, brachte mein Heimweh mich zurück nach München, meiner neuen Wahl-Heimat. Weil die wissenschaftliche Karriere für mich zu unsicher war, habe ich mir einen „echten“ Job gesucht in der Finanzbranche. Dort werden Physiker sehr gerne genommen. Und gut bezahlt. Ob man mit Physikzahlen oder Finanzzahlen jongliert macht wenig Unterschied. Dachte ich mir. Und in der Tat: Meine Fähigkeiten waren kein Problem. Aber das Herz machte nicht mit. Der Verstand sagte: Gut bezahlter Job, sicherer Arbeitsvertrag, nette Kollegen. Mein Herz sagte: Keine Herausforderung, kein Produkt, welches ich herstelle, sondern nur Zahlen, dich ich durch die Gegend schubse. Keine Bedeutung. Nichts, was die Welt verbessert. Will ich das wirklich bis zum Ende meines Lebens machen?

Nein, ich fühlte mich zu jung, suchte eine neue Herausforderung. Ein Wechsel innerhalb der Finanzbranche hat die Sache nicht besser gemacht. Mehr Geld, mehr Stress, noch weniger Zufriedenheit. Mittlerweile war ich auch schon ein Jahr mit der Liebe meines Lebens zusammen. Ein Jahr, das war immer die magische Grenze, bei der Beziehungen bei mir sonst immer auseinander brachen. Wir wussten, wir wollen heiraten und Kinder bekommen. Gleichzeitig wurde ich mangels Leidenschaft für meinen Job innerhalb der Probezeit gekündigt. Ich war erleichtert. Gleichzeitig hatte ich das Problem dass ich eine neuen Job brauchte und schwanger werden wollte. Nachdem ich mir zweimal einen Job gesucht hatte, der nicht passte, war ich unsicher wer ich bin und was ich tun will. Das erschwert das Schreiben von Bewerbungen ungemein. Außerdem wollte ich nicht als erstes in einer neuen Firma schwanger werden. Interessanterweise hatte ein guter Freund, der mich mit meinem Ehemann verkuppelt hat, gerade ähnliche Probleme, und wollte sich selbstständig machen. Als Online Marketing Consultant. Alles was man braucht um im Internet sichtbar zu sein. Das fand ich interessant. Computer sind meine Stärke, da war ein sinnvolles Produkt (Leuten mit dem Internetauftritt ihrer Firma helfen) greifbar.

Die Selbstständigkeit hat mir erlaubt Arbeit mit Familie zu vereinbaren. Ich konnte problemlos meine erste Tochter im Juli 2014 bekommen und nebenbei weiter meine Firma aufbauen, genau so viel arbeiten wie es halt ging. Ohne mich gegenüber jemand anders zu rechtfertigen. Außerdem konnte ich viele verschiedene Produkte ausprobieren, herausfinden was genau ich machen möchte. So schnell hätte ich mich persönlich als Angestellte nie entwickeln können. Und ich hatte endlich Kontakt zu meinen Kunden. In der Finanzbranche sass ich nur am Computer. Kundengespräche zu führen musste ich erst lernen, aber es hat mich wieder persönlich unheimlich weit gebracht. Wissen, was für den einzelnen Menschen wichtig ist. Ein Danke zu hören, das Gefühl jemanden geholfen zu haben. Es gibt kaum etwas schöneres. Je besser das Feedback war, desto mehr wusste ich dass diese Tätigkeit Sinn macht.

Bedenken hatte ich natürlich viele. Wie akquiriert man Kunden? Steuern, Rechtsform, Abrechnungen, die ganze Buchführung. Nie zuvor gemacht. Preise für die eigene Dienstleistung finden. Wie geht das denn? Zum Glück hatte mein Geschäftspartner schon einige erfolgreiche eigene Firmen geführt, und diesen Teil für uns übernommen. Und die ganz große Frage: Bekomme ich den Gründungszuschuss? Da hatte ich schon Angst. Auch hier lief alles ganz einfach bei mir. Mein Berater beim Arbeitsamt sah meinen Lebenslauf: Theoretische Physikerin. Lebensfremd. Hat einmal in seiner Datenbank nachgeschaut: Keine Stellen für Physiker ausgeschrieben. Na dann sei ich wohl nicht vermittelbar und solle mal meine Pläne zur Selbstständigkeit ausarbeiten. Dass ich zum Zeitpunkt des Gespräches schon schwanger war hatte ich nicht erwähnt. Gleich im ersten Gespräch wurden mir die Unterlagen zur Beantragung des Gründungszuschusses gegeben.

Mein Geschäftspartner hatte weniger Glück. Als gelernter Kaufmann gab es jede Menge offene Stellen, auf die er sich hätte bewerben können, und bekam nicht die Gelegenheit sich zu bewerben. Obwohl wir dieselbe Firma gründen wollten.

Als nächstes musste ich den Business Plan erstellen. Wieder hatte ich den Vorteil dass mein Geschäftspartner ähnliches schon mal gemacht hatte und ich zahlen- und computerbegeistert bin. Wir brauchten auch kein Startkapital. Computer und Internet, viel mehr war nicht nötig. Auf eigene Büroräume haben wir anfangs verzichtet, das spart viel Geld ein. Den Antrag musste ich noch von einer externen Agentur prüfen lassen, das ging auch unkompliziert. Und nach einer Wartezeit von ca. 2 Monaten war er auch bewilligt, ich war seit 01.01.2014 selbstständig. Bis Juni habe ich dann Gründungszuschuss bekommen, ab Juli war ich im Mutterschutz und habe anschließend Elterngeld bekommen. Zwar konnte ich wegen Schwangerschaft und Geburt und anschließend Stillen weniger Arbeiten, dafür kamen durch die Sozialleistungen aber auch Geld rein.

Um mit dem Thema schlaflose Nächte und Windeln wechseln möglichst schnell durch zu sein, haben mein Mann und ich das zweite Kind gleich hinterhergeschoben. Februar 2016 habe ich meine zweite Tochter zur Welt gebracht. Das sind schon anstrengende Tage zur Zeit, aber machbar. Meine Kunden wussten alle von meiner Schwangerschaft, und es war kein Problem sich auf meinen Arbeitsrhythmus einzustellen. Das war ein sehr schönes Gefühl. Ich vermute so unkompliziert liefe es in einer großen Firma nicht, wenn ein Chef der Meinung ist ich sei jetzt nicht mehr zuverlässig verfügbar.

Nach zweieinhalb Jahren Selbstständigkeit kann ich sagen: Es gefällt mir. Ich habe mich als Mensch stark entwickelt. Ich bin selbstbewusster, weil ich gelernt habe dass ich Probleme alleine lösen kann. Auch Gründen und Kinder bekommen ist nicht unmöglich. Es geht alles ein wenig langsamer, aber anfangs haben die meisten eh wenig Aufträge. Frau darf auch bis zu 30 Stunden die Woche arbeiten und trotzdem Elterngeld bekommen. Die Kommunikation mit der Krankenkasse war nervtötend, aber na gut, das gehört dazu. Zur Zeit habe ich zwar defacto keine Freizeit, fühle mich aber auf dem richtigen Weg.

Das Portfolio meiner Firma habe ich entsprechend meiner Interessen und Kundenfeedback geändert. Bemerkenswerterweise bekommen die Sachen, die mir am meisten Spass machen, auch das beste Feedback. Für mich mit der beste Grund, sich selbstständig zu machen: Sich auf seine Stärken konzentrieren zu können. Da ich gerne verstehe und lehre, werde ich Erklärdienste rund ums Internet anbieten. Dazu gehören sowohl „SEO Seminare für den Großraum München“ als auch „Erklärung der Websitedaten“.

Was läuft gut, wo könnte es besser sein und was geht gar nicht? Diese Zahlen sind einfach verfügbar, aber wenigen macht es Freude sich damit auseinander zu setzen. Zahlen lügen nicht – aber sie drücken sich verdammt schlecht aus. Und helfen mit benutzerfreundlichen Berichten. Kurz und übersichtlich. Da meine Töchter gut beim Vater aufgehoben sind, kann ich wieder ganztags Seminare geben. Da ich leider nicht jede Nacht tief und fest schlafe, hänge ich mit dem Programmieren meiner Auswertungssoftware meinem eigenen Zeitplan hinterher. Aber na gut, eines nach dem anderen. Die Idee der Software will ich aber trotzdem teilen. Es wird kommen!

Zwischendurch gab es auf einem MomPreneur Treffen in München noch eine andere, wichtige Idee. Selbstständige Kleinunternehmer besser zu vernetzen. Zum Beispiel gezielt mit anderen Müttern zusammenarbeiten. Oder gezielt nach Produkten suchen, die in irgendeiner Weise fair produziert worden sind. Solche ganz besonderen Nischenprodukte sind schwer im Internet zu finden. Auf den großen Marktplätzen wie eBay oder Amazon gehen sie in der Masse der kommerziellen Anbieter unter. Auch neue Produkte, die alte Probleme lösen, sind im Internet schwer zu finden, weil danach nur schwer gesucht werden kann, wenn man den Namen der Lösung noch nicht kennt. All dieses soll auf einem Portal verbessert werden. Auch da bin ich noch nicht fertig, aber Januar 2017 soll es live gehen, das ist ja schon bald.

 

Was ich anderen Gründerinnen mitgeben möchte:

Tut es! Lebt Euren Traum. Das Leben ist zu kurz, um die Träume Eurer Arbeitgeber zu realisieren.

Ich persönlich träume vom Internet der Vielfalt. Dass sich jeder mit seiner oder ihrer ganz eigenen tollen Idee Selbstständig machen kann. Mit leidenschaftlichen Menschen im Alltag zusammenarbeiten, anstelle von frustrierten Angestellten, die ihren Arbeitstag absitzen und wo immer alles unmöglich ist. Macht und Geld fairer in der Bevölkerung verteilen. Leider wird das Internet immer gleichförmiger. Es wird kopiert, was erfolgreich ist, und so geht auch hier Individualität verloren. Aber das werde ich nicht akzeptieren, hier kämpfe ich. Auch für meine Töchter. Welche Zukunft wollt Ihr Euren Kindern hinterlassen?

Viel Erfolg!

Eure Elisabeth

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Isabell Prophet.

Heute liest Du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Isabell Prophet. Vielen Dank liebe Isabell, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich Dir diesen Artikel zu lesen.

 

Isabell Prophet, Social Media Expertin und Autorin. Im Februar 2015 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

Sucht euch einen Gründungsberater, das ist der wichtigste Rat, den ich euch geben kann. Meiner bereitete mich auf alles vor, was da bürokratisch auf mich zu kam. Ganz schön hart war es manchmal trotzdem. Ich habe mich im Februar 2015 selbstständig gemacht, da war ich 28 Jahre alt, hatte gerade die Henri-Nannen-Schule hinter mir und einige Monate bei Spiegel Online gearbeitet.

 

Der Gründungszuschuss erreichte mich erst im Mai.

Arbeitssuchend gemeldet war ich überpünktlich, in Hamburg lässt sich das einfach online erledigen. Ich notierte schon im Portal, dass ich mich selbstständig machen will. So war meine Beraterin direkt gebrieft. Ich zog mich hübsch an, Jeans und Blazer, und stand irrsinnig nervös in der Agentur für Arbeit, Altona.

Das war der einfache Teil. Ich hielt einen kleinen Vortrag über potentielle Auftraggeber und das ich mich nach der Journalistenschule gern selbstständig machen wollte. Ich wollte wissen, ob ich es kann, ob ich das schaffe. Ich hatte Lust auf die Buchführung, die Auftragsjagd, die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen kennen zu lernen. Eine Redakteursstelle erschien mir nett, aber wie ein Lebensmodell für Ältere. Ich wollte mich selbst herausfordern.

 

Ich hatte einen Plan.

Meine Beraterin – ungefähr mein Alter, sehr ruhig, sehr nett – bekam irgendwann leicht glasige Augen von meinem Gerede, guckte sich meinen Lebenslauf an und erklärte mir, eine Vermittlung würde in meinem Fall sowieso keinen Sinn machen. Ich sollte vor der Selbstständigkeit gern ein paar Wochen Pause gönnen und das Arbeitslosengeld zur Vorbereitung nutzen. Sie setzte irgendeinen Haken im System, so bekam ich keine Angebote samt Drohbrief, die ich nervenkriegerisch ausschlagen müsste.

Eine Freundin von mir, immerhin Crime-Reporterin, sollte übrigens ins südniedersächsische Gebirge, um dort Texte ins Internet zu kopieren. So etwas hängt vom Arbeitsamt ab. Mein Tipp: Nerven behalten. Einen netten Brief schreiben – da arbeiten ganz normale Menschen. Und hart bleiben. Ihr habt einen Plan.

Achja, der Plan: Meine Betreuerin in der Agentur für Arbeit trug mir auf, mich im Businessplan kurz zu fassen, vier-fünf Seiten wollte sie haben, dazu einen Zahlenteil. Mein Gründungsberater hatte mir dazu zwei Dateien überreicht – eine Gliederung und eine Tabelle – die ich nur noch ausfüllen musste. Das war schwer genug. Ich erzählte ganz viel von Kolumnen und Kontakten und dass ich etwas ganz Besonderes bin.

 

Geld? Später.

Mein Finanzteil kommt mir heute wie ein irres Fantasiegebilde vor. Es kam alles anders. Eine gute Idee war es trotzdem, ihn einmal aufzustellen. Ich machte mir einen Plan und sah, wie viel ich wann wirklich arbeiten müsste – und welche Honorare einfach gar nicht gehen. Verkauf dich ja nicht unter Wert, das sagte mir meine Excel-Tabelle ganz deutlich. Freier Journalismus braucht einen Kickstart. Wer langsam anfängt, der bekommt nach drei Monaten ein Geldproblem.

Ich hatte nach drei Monaten ein so übles Geldproblem, dass ich heulend in einer sehr großen Redaktion am Schreibtisch saß und eine Kollegin mir etwas ratlos die Schulter tätschelte. Ich hatte mir empfehlen lassen, mich schon zur Zeit der Arbeitslosigkeit beim Finanzamt selbstständig zu melden – das fand das Finanzamt gar nicht cool. Ich musste mich neu anmelden, der ganze Prozess verzögerte sich um weitere zwei Wochen.

Arbeitslosengeld bezog ich, bis mein Antrag auf Gründungszuschuss beim Sachbearbeiter lag – der stornierte die Sozialleistung und legte mich unter einen vermutlich sehr großen Gründungszuschuss-Stapel. Ich musste zwei Monate ALG I zurückzahlen, lang bevor ich meinen Gründungszuschuss bekam. Die ersten Honorare? Kamen Ende März. Der Gründungszuschuss kam im Mai, gleich für vier Monate rückwirkend. Ich investierte ihn komplett in meine Steuerrücklagen.

 

Meine wichtigsten Lektionen:

Rücklagen: Insgesamt habe ich rund 3000 Euro gebraucht, um den Start in die Selbstständigkeit zu finanzieren – nur auf mein privates Überleben bezogen. Für die Steuer lege ich seitdem 30 Prozent aller Einnahmen zurück, das reicht für die Steuerberaterin, die Nachzahlung selbst und einen Sommerurlaub.

Excel-Tabellen sind euer neuer bester Freund. Ihr müsst wissen, wann welches Geld kommt und ob das über den Monat gerechnet zum Leben reicht. Ihr müsst wissen, wie lange eure Rücklagen reichen, wenn ihr mal drei Monate lang weniger arbeitet. Diese Finanzplanung habe ich für zwölf Monate im Voraus. Außerdem setze ich mich 1-2 Mal im Monat an meine Buchhaltung, trage alles potentiell relevante ein. Ab und zu recherchiere ich Steuerfragen, mittlerweile geht das Meiste nach Gefühl. Meine Steuerberaterin macht einmal im Jahr den Rest.

Reden: Als die finanzielle Kernschmelze drohte, bin ich in die Honorar-Buchhaltung meines Hauptauftraggebers marschiert und habe mein Problem erklärt. Von dem Tag an lagen meine Rechnungen immer ganz oben auf jedem Stapel – ich hatte einfach nett darum gebeten.

Arbeitszeit: Wenn ihr selbst arbeitet, dann ist das Geld wert. Ich habe mir eine Jahresübersicht gebastelt und an jedem Tag meine Arbeitsstunden eingetragen und ihnen einen Wert beigemessen. Ihr bekommt 500 Euro für ein Projekt? Dann seid auch so ehrlich, diesen 500 Euro eine Stundenzahl gegenüber zu stellen. Wenn ihr nichts anders zu tun habt, klar, arbeitet mehr. Sich Mühe geben macht glücklich. Selbstausbeutung macht unglücklich – und arm.

Andere Leute erzählen alle Quatsch. Ihr werdet entweder hören, ihr sollt nicht für unter 300 Euro am Tag arbeiten oder dankbar sein, wenn ihr für 70 Euro irgendwo irgendwas machen könnt. Beides ist absolut falsch. Es hängt vom Projekt ab, es hängt vom Auftraggeber ab, es hängt von eurer Auftragslage ab. Bei mir hat jeder Arbeitstag einen Wert. Der Rest ist Mischkalkulation.

Ausnahmen: Nur dieses eine Mal das drei-Tage-Projekt für 400 Euro machen? Das geht, wenn es euch am Herzen liegt, wenn ihr es euch leisten könnt. Sprechen wir hier von einem millionenschweren Konzern, würde ich es mir schon wieder überlegen. “Medienkrise” ist kein Argument; die sollte nicht auf eurem Bankkonto ausgetragen werden. Eure Honorare werden einen Konzern nicht retten, der sich einen Fuhrpark leistet, Kantinenzuschüsse und Diensthandys für seine Mitarbeiter. Ansonsten ist die Antwort manchmal einfach: Nein. Es wird immer jemanden geben, der es billiger macht als ihr. Seid nicht Teil dieses Selbstausbeutungszirkels.

Liebe Grüße

Isabell

 

Isabell Prophet ist Social Media Expertin und Autorin in Berlin. Sie bloggt unter http://isabellprophet.net/ und ist Teil des http://socialmediawatchblog.org/

 

Wieder mal eine große Portion Motivation und Inspiration für Dich. Durchhalten lohnt sich 🙂 Den nächsten Erfahrungsbericht liest Du in 2 Wochen 🙂

Du hast auch mit dem Gründungszuschuss gegründet und möchtest Deine Erfahrungen teilen? Dann nimm Kontakt mit mir auf!

Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

Gegründet mit dem Gründungszuschuss. So war’s bei Nele Süß.

Heute liest du den Erfahrungsbericht zum Gründungszuschuss von Nele Süß. Vielen Dank liebe Nele, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Du weißt nicht, was der Gründungszuschuss ist oder kennst die Voraussetzungen nicht? Dann empfehle ich dir diesen Artikel zu lesen.

 

 

Nele Süß, Kommunikationsprofi. 2011 mit dem Gründungszuschuss gegründet.

„Moin! Ich bin Nele Süß, 38, komme aus dem Dörfchen Sorgbrück in Schleswig-Holstein und bin von Beruf eierlegende Wollmilchsau.“  So stelle ich mich mittlerweile nach rund fünf Jahren Selbstständigkeit oft vor. Um zu erklären, wie es dazu kam und warum das genau so richtig gut ist, muss ich mit meiner Geschichte im Frühjahr 2011 anfangen:

Vor meiner Selbstständigkeit habe ich in mehreren Verlagen als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Meine letzte Station in der Buchwelt war ein Verlag für Wirtschaftssachbücher in Hamburg – für mich als Geisteswissenschaftlerin ein Terrain, von dem ich a) keine Ahnung hatte und b) ehrlich gesagt auch keine Ahnung haben wollte. Ich habe dort trotzdem einen guten Job gemacht und ziemlich gut gelernt, über Dinge zu sprechen, von denen ich nur bedingt Ahnung hatte – glücklich hat mich das aber nicht gemacht. Glücklich war ich, wenn ich einmal die Woche zu „meinen“ Studierenden an der Uni Hamburg durfte. Ich habe dort „Berufsfelderkundung PR“ unterrichtet und schnell gemerkt, dass es mir einfach richtig viel Spaß macht, den Studierenden praktisches Wissen weiterzugeben, sie zum Nachdenken anzuregen und mit ihnen zu diskutieren. Als mein Vertrag mit dem Verlagshaus endete, war das für mich die Gelegenheit, meine berufliche Zukunft nochmal ganz neu zu überdenken. Ich wusste: Der Gründungszuschuss war (zu dieser Zeit!) relativ leicht zu bekommen und da mich die Selbstständigkeit immer schon gereizt hatte, entschied ich mich, meine eigene kleine PR-Agentur zu gründen und eine Coaching-Ausbildung zu absolvieren, um ein zweites Standbein zu haben.

Also ab zum Arbeitsamt in Hamburg, denn dort wohnte ich zu der Zeit noch. Nachdem ich von Freunden gruselige Geschichten über die Agentur für Arbeit gehört hatte, machte ich mich auf das Schlimmste gefasst – und wurde sehr positiv überrascht: Von einer freundlichen und ausgesprochen kompetenten Mitarbeiterin, die meine Pläne ganz großartig fand und mir unbedingt zur Beantragung des Gründungszuschusses riet. Sie drückte mir einige Informationen in die Hand, verdonnerte mich zu einem mäßig guten Vortrag zum Thema Gründungszuschuss und empfahl mir, mich mit einem Steuerberater zu treffen, um meinen Businessplan durchzugehen. Letzteres muss man ja sowieso machen, um die Zahlen absegnen zu lassen. Also: Im Freundeskreis gefragt, eine Empfehlung bekommen, Text geschrieben (das fiel mir zum Glück leicht, denn als PR-Frau muss man das können), Excel-Tabellen mit Einnahmen und Ausgaben gemacht (das fiel mir gar nicht leicht – ich mag Buchstaben, aber mit Zahlen komme ich eher so mittelmäßig klar) und zum Steuerberater gewackelt, der mir als erstes einbläute: „Unter 45€ netto die Stunde arbeiten Sie aber nicht!“

Dann kam mein Umzug nach Kiel. Dort bin ich dann nochmal zur Agentur für Arbeit gegangen, habe alle Unterlagen vorgezeigt, mit meiner Sachbearbeiterin nett geschnackt und ein paar Tage später war alles im Lack. Ich hatte die Zusage für den Gründungszuschuss und somit monatlich ein hübsches Sümmchen zur Verfügung, das mir, zusätzlich zu meinem privaten Sicherheitsnetz bestehend aus meinem Partner und meiner Familie, die Freiheit gab, mich zu verwirklichen. Zudem hatte ich das große Glück, dass einer meiner vorherigen Arbeitgeber an mich herantrat und mir anbot, freiberuflich einige Veranstaltungen für ihn zu planen und zu moderieren. Das hatte ich zwar noch nie so wirklich gemacht, aber man hatte Vertrauen in mich – und ich legte los.

Tja, und nachdem ich dann diese Veranstaltungen mit Bravour absolviert hatte, kam das große Loch. Es wurde Herbst, die Tage wurden kürzer (in Kiel sind sie übrigens besonders kurz…), das Wetter eklig (auch da ist Kiel echt gut drin!) und ich immer trübsinniger. Ich wusste einfach nicht, wohin mit mir: Die Coaching-Ausbildung war großartig, aber hatte natürlich auch viel angestoßen, u.a. dass ich gar nicht als PR-Frau selbstständig sein wollte, sondern lieber als, tja, als irgendwas anderes. Aber was nur? Auch lange Strandspaziergänge und aufwühlende Gespräche mit Freundinnen brachten kein Ergebnis – bis mein damals noch Freund, heute Mann irgendwann zu mir sagte: „Vielleicht ist dein Ziel ja erstmal, ein Ziel zu finden.“ Ich starrte ihn an und merkte: Das ist es! Er hatte die Karotte entdeckt, die man mir vor die Nase halten musste, damit ich wieder auf Spur kam und zielstrebig loslegen konnte. Und was sollte mir schon passieren? Ich hatte den Gründungszuschuss für ganze neun Monate (so war das zu der Zeit noch!) in der Tasche – und einen großartigen Mann, der mir schon was zu futtern kaufen würde, wenn es eng werden sollte.

 

Und so fing ich langsam an, meine Fühler in Kiel auszustrecken.

Denn das wissen wir ja alle: Als Selbstständige*r braucht man ein gutes Netzwerk, um voran zu kommen. Über Umwege landete ich im Kieler Businessclub und traf mich jeden Freitagmorgen um 7.30 Uhr (uaaahhhhh!) mit anderen Selbstständigen zum Frühstück: Um mich auszutauschen, vorzustellen und zu zeigen, was ich drauf hatte. Ich arbeitete u.a. mit dem dortigen Steuerberater zusammen, mit dem ich andere Gründer beriet und coachte. Dann kam das Angebot, einen zweiten Lehrauftrag an der Uni Hamburg zu übernehmen: Einführung in die Teamarbeit. Ich war Feuer und Flamme. Zum einen konnte ich dort mein Wissen aus der Coaching-Ausbildung gleich anwenden, zum anderen ist mein Mann als Sozialpädagoge Spezialist für genau dieses Thema. An langen Abenden vermittelte er mir weitere Methoden und plante mit mir das Semester – und meine Studis waren begeistert von mir.

Kurz danach trudelten weitere Angebote in Sachen Workshops und Coachings ein: Alle über mein Netzwerk, das ich immer brav gepflegt hatte und das auch noch heute mit Freude tue – und zwar nicht nur, weil ich darüber Aufträge bekomme, sondern weil es mir einfach wahnsinnig Spaß macht, ich eine große Neugier für die Menschen um mich herum hege und selbst gerne Leute empfehle, die ich gut finde! Zusätzlich hat mein Mann mich in seinem Netzwerk empfohlen, was mir Aufträge in verschiedenen Jugendverbänden bescherte. Und so kam eins zum anderen: Ich gab Workshops zu den Themen Kommunikation, Teamarbeit, Präsentation an Hochschulen, in Berufsschulen, bei Verbänden. Und trotzdem fehlte mir etwas, und zwar ein Team. Ich mochte meine Teilnehmer*innen, tauschte mich regelmäßig mit einer sehr guten Freundin aus, die so ziemlich das gleiche tut, wie ich und konnte mit meinem Mann wunderbare Gespräche über meine Arbeit führen. Aber ein Team, wie ich es vorher in meinen Festanstellungen hatte, gab es eben trotzdem nicht. Und was ich auch nicht gut hinbekam, war, mir einen Tagesrhythmus zu geben. Ich schlief mal aus, mal nicht, arbeitete manchmal bis spät in die Nacht, kam morgens nicht hoch, aß unregelmäßig: alles Dinge, die einer hochsensiblen Migränikerin wie mir so gar nicht gut tun. Also beschloss ich: Ein Teilzeitjob muss her.

Ich durchkämmte die Jobbörsen, fand alles Mögliche, aber irgendwie nichts, was mich so richtig reizte. Es sollte schon was sein, was mir auch inhaltlich Spaß brachte. Und dann, eines Nachts, stieß ich auf eine Anzeige des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein, der doch tatsächlich eine PR-Referentin in Teilzeit suchte – ein Job mit Seltenheitswert, denn PRler arbeiten eher Vollzeit.

Stand heute ist: Ich arbeite in Teilzeit bei den LandFrauen und habe dort ein Arbeitsumfeld und Aufgaben, die mich wirklich sehr zufrieden machen. Ich bin zweieinhalb Tage die Woche bei „meinen Mädels“, was meiner Woche eine gute Struktur gibt. Ich habe Kolleginnen, mit denen ich auch mal einen kleinen Schnack halten kann und wenn größere Projekte anstehen, wuppen wir sie zusammen. Ich bin auch nicht immer für alles verantwortlich, sondern habe in meinem Angestelltendasein eine Chefin, mit der ich vieles besprechen kann – und einen Vorstand, der meine Arbeit schätzt. Und natürlich hat das regelmäßige monatliche Einkommen auch etwas ungemein Beruhigendes!

Im Rahmen meiner Selbstständigkeit gebe ich Workshops und moderiere Veranstaltungen – und dafür, dass ich im Grunde keine Akquise mache, sondern „einfach nur“ mein Netzwerk pflege, kommt da ganz gut was zusammen. Ich werde immer besser in meinen Themen: In Sachen Kommunikation, Teamarbeit, Präsentation, Selbstmarketing, Motivation und PR/ÖA macht mir so schnell keiner was vor. Zudem macht es mir Spaß, diese Themen auch zu mischen und immer mal hier und da zusätzliches Wissen einfließen zu lassen. Ich habe auch meinen Stil gefunden: Eine gesunde Mischung aus Lässigkeit, Strenge, Erfahrung, Fachwissen und vieeeeel Humor.

Derzeit absolviere ich noch eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin und habe meine Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen wiederentdeckt … Mal sehen, was sich daraus noch so machen lässt. Ach so – mein Mann und ich sind mittlerweile aufs Land gezogen. In der Nähe von Rendsburg haben wir einen alten Landgasthof gekauft und bauen ihn gerade um: zu einem Seminarhaus, das von Gruppen gemietet werden kann und in dem ich ebenfalls Seminare geben werde.

 

Würde ich aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Ein bisschen mehr Gelassenheit wäre sicher manchmal gut gewesen und weniger Grübelei. Neulich ist mir mal wieder „Momo“ in die Hände gefallen– und ich kann nur empfehlen: Lest dieses Buch nochmal als Erwachsene!

Zum einen, weil mir beim Lesen erneut sehr bewusst geworden ist, dass meine Lebenszeit sehr wertvoll ist. Ich möchte meine Stundenblumen nicht mit unbefriedigender Arbeit vergeuden und auch nicht mit Ängsten. Ich hätte vielleicht öfters mal über genau die sprechen sollen, denn ich habe viel mit mir selbst ausgemacht.

Zum anderen, weil das, was Beppo, der Straßenkehrer sagt, für uns alle gilt: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Viele Grüße und viel Erfolg!

Nele

 

Mehr über Nele erfährst du auf ihrer Website.

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Alles Liebe,

Deine Tanja

 

Foto © Maya Meiners

 

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