Nachdem ich Dir im ersten Teil bereits die Grundzüge vom Businessplan erläutert und erste Hilfestellungen gegeben habe, geht es heute weiter mit dem zweiten Teil der Erstellung: Dem Finanzplan. Er ist das Herzstück Deines Businessplans. Von vielen Gründerinnen höre ich, dass Sie großen Respekt vor der Ausarbeitung dieses Teils haben. Einige schreiben ihn deswegen erst gar nicht. Stattdessen träumen sie ihren Traum der Selbstständigkeit lieber weiter. Dabei ist die Erstellung des Finanzplans gar nicht so schwer. Ich stelle Dir ein Muster zur Verfügung, mit dem Du direkt starten kannst.

Dein Finanzplan stellt die Entwicklung Deines Unternehmens in Zahlen dar. Er gibt Dir einen Überblick über die geplanten Kosten und Umsätze. So kannst Du schnell erkennen, ob Du mit Deinem Vorhaben auch Erfolg haben wirst. Alles was Du brauchst sind ein paar Zahlen. Viele davon hast Du schon vorliegen. Für andere musst Du Dir ein paar Angebote einholen. Aber auch das ist kein Hexenwerk.

 

Starten wir mit Deinem Unternehmerlohn.

Hierbei handelt es sich sozusagen um Dein Gehalt. Um Deinen Unternehmerlohn zu errechnen, musst Du zunächst Deine privaten Ausgaben ermitteln. Neben Deinen Ausgaben für Deine Wohnung gehören hierzu auch Deine Ausgaben für Lebensmittel, Kosmetik und Drogeriebedarf, Klamotten, Freizeit sowie Bausparverträge oder ähnliches. Auch die Ausgaben für Dein Haustier müssen hinzugerechnet werden. Für den Start der Selbstständigkeit macht es Sinn, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Dein Unternehmen wird zu Anfang noch nicht viel abwerfen, daher wird es auch nicht möglich sein, Dir einen hohen Unternehmerlohn zu zahlen ohne Dein Unternehmen in Schwierigkeiten zu bringen. Ich habe daher zwei Kalkulationen für den Unternehmerlohn erstellt. Die erste Kalkulation war mein minimaler Unternehmerlohn, der sicherstellt, dass ich alles habe, was ich unbedingt zum Leben brauche. Die zweite Version war mein Wunsch-Unternehmerlohn, den ich nach 2-3 Jahren Selbstständigkeit erreichen wollte. So wusste ich sofort auf was ich hinarbeiten musste.

Neben Deinen privaten Kosten musst Du beim Unternehmerlohn auch noch die Kosten für Deine Krankenversicherung, die Einkommensteuer sowie die Sozialabgaben berücksichtigen. Auch das Thema Rentenversicherung gehört hierzu. Ich habe das Thema in den ersten Jahren vernachlässigt bzw. vernachlässige es immer noch, wenn ich ganz ehrlich bin.

 

Weiter gehts ist mit Gründungskosten und Investitionen.

Starte zunächst mit den Ausgaben für die Gründung Deines Unternehmens sowie eventuelle Investitionen. Gründungskosten fallen in der Regel schon vor beziehungsweise während der Gründung an. Zu den Gründungskosten gehören neben Beratungskosten auch Kosten für eventuelle Weiterbildungen, Bücher sowie die Erstellung von Visitenkarten, Logo und vieles mehr. Die meisten Investitionen wirst Du sicherlich erst während der Gründungsphase bzw. nach der Gründung tätigen. Vielleicht brauchst Du ein Auto, eine Büroeinrichtung, einen Computer oder ähnliches. Auch bereits vorhandene Güter kannst Du mit ihrem Restwert aufnehmen. Am Ende rechnest Du am besten noch einen kleinen Puffer in Höhe von 10 oder 20 Prozent mit ein, damit Du auf der sicheren Seite bist.

 

Deine laufenden Kosten ergeben den Kostenplan.

Im Kostenplan listet Du Deine geplanten geschäftlichen Ausgaben aus. Hier gehören zum Beispiel Deine Ausgaben für Telefon und Internet, Marketing, Weiterbildung, Porto, Kundenakquise sowie Steuerberatungskosten rein. Also alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit Deiner Selbstständigkeit stehen.

 

Jetzt beschäftigen wir uns mit Deinen Umsätzen.

In den Umsatzplan gehören Deine geplanten Einnahmen. Das sind natürlich nur Schätzwerte. Dieser Teil ist etwas arbeitsintensiver. Vielleicht kannst Du hier auch schon auf Ergebnisse einer nebenberuflichen Selbstständigkeit zurückgreifen – das würde enorm helfen. Ansonsten empfehle ich Dir ein bisschen im Internet zu schauen was Deine Mitbewerber so machen und welche Preise veranschlagt werden. Plane hier lieber etwas konservativ, vor allem dann wenn Du noch keine Kunden in Aussicht hast. Wenn Du hier absolut nicht weiter weißt, dann nimm Kontakt zu einer Gründungsberatung auf. Auch ich stehe Dir gern zur Verfügung.

 

Der Liquiditätsplan zeigt Dir an, ob Dein Unternehmen zahlungsfähig ist und bleibt.

Dein Liquiditätsplan erfasst Deine Zahlungsströme, also Deine Einnahmen und Ausgaben.  Dein Liquiditätsplan zeigt Dir, ob Dein Geld ausreichend ist, um alle notwendigen Kosten zu decken. Dazu gehören zum einen die betrieblichen Ausgaben und zum anderen Dein Unternehmerlohn. Für die Erstellung des Liquiditätsplans musst Du auch die Zahlungsziele im Auge behalten, die Du Deinen Auftraggebern gewähren willst. Wenn Du also eine Rechnung im Juni ausstellst, kann es, je nach Zahlungsziel und Zahlungsmoral des Auftraggebers, kann es sein, dass das Geld erst im Juli auf Deinem Konto eingeht. Du musst im Liquiditätsplan also eine Verzögerung der Zahlungseingänge berücksichtigen.

Einfacher ist es die Ausgaben festzuhalten. Hier kannst Du genauer einschätzen, wann bestimmte Rechnungen bezahlt werden.

 

Mit der Rentabilitätsvorschau kannst Du die zukünftigen Erträge Deines Unternehmens einschätzen.

Ein Blick auf die Rentabilitätsvorschau zeigt Dir, ob Deine Kosten gedeckt sind und ob Du mit Deinem Vorhaben Gewinn erzielen kannst. Wenn Deine betrieblichen Kosten gedeckt sind und Du Dir vom Gewinn Deinen kalkulierten Unternehmerlohn auszahlen kannst, dann ist Dein Unternehmen rentabel.

 

Video-Interview zum Thema Business-Mindset mit Mindset-Coach Julia Lakämper

 

So, das war´s auch schon. Wie Du siehst ist es gar nicht so schwierig. Hab Mut und lege einfach los. Der Rest kommt nach und nach. Und zögere nicht, Fragen zu stellen bzw. eine Beratung in Anspruch zu nehmen.

Alles Liebe,

Deine Tanja


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